Seyran Ates

Der Multikulti-Irrtum

Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können
Cover: Der Multikulti-Irrtum
Ullstein Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783550086946
Gebunden, 282 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Vor über dreißig Jahren kam Seyran Ates mit ihrer Familie nach Deutschland. "Gastarbeiter", so nannte man ihre Eltern. Weder Türken noch Deutsche wollten damals, dass diese Gäste hier heimisch werden. Doch Seyran Ates erkämpft sich einen Platz in einer noch längst nicht multikulturellen Gesellschaft. Die Juristin setzt sich vor allem für die Rechte von Migrantinnen ein. Das erfordert enorme Zivilcourage, denn durch ihren Kampf gegen Ignoranz und Gewalt macht sie sich viele Feinde. Sie wird angeschossen, bedroht und erpresst. Seyran Ates vertritt unbequeme Positionen: "Multikulti, so wie es bisher gelebt wurde, ist organisierte Verantwortungslosigkeit." In diesem Buch führt sie aus, wie eine verfehlte Integrationspolitik und eine als Toleranz verkleidete Gleichgültigkeit zu Parallelgesellschaften, Gettoisierung und Gewalt geführt haben. Und sie erläutert, wie es gelingen kann, die Migranten langfristig in unsere Gesellschaft einzubinden. Wer in Deutschland lebt, so die Autorin, muss sich an die Werte unserer Gesellschaft halten. Nur so kann Deutschland ein Einwanderungsland im besten Sinne werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.11.2007

Überwiegend lobend äußert sich Rezensentin Katajan Amirpur über Seyran Ates' Buch "Der Multikulti-Irrtum". Das Buch geht zu ihrer Erleichterung in eine andere Richtung, als es der Titel suggeriere. Statt - wie wohl befürchtet - Diffamierungen und Pauschalisierungen findet die Rezensentin in dem Buch zahlreiche wohl durchdachte und praktikable Vorschläge für ein besseres Gelingen von Integration in Deutschland. Besonders widme sich die Autorin der Frage, wie Missstände wie Ehrenmorde, Zwangsverheiratungen oder häusliche Gewalt beseitigt werden könnnen. Überzeugend findet Amirpur auch die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Migrations-Politik. Bisweilen schießt die Autorin in ihren Augen aber ein wenig über das Ziel hinaus, etwa im Blick auf ihre überaus hohen Ansprüche an Integration. Auch mit den Begriffen Deutschländer und Urdeutsche ist Amirpur nicht so ganz glücklich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2007

Mit hohem Lob bedenkt Nils Minkmar dieses Buch der türkisch-kurdischen Frauenrechtlerin und Rechtsanwältin Seyran Ates, die gleichermaßen einen kritischen Blick auf die türkische Community und die deutsche Integrationspolitik wirft. Ihre Auseinandersetzung mit den politischen und sozialen Themen rund um die Migrationsproblematik hält Minkmar nicht nur für reflektiert und kenntnisreich, sondern auch für überaus erfahrungsgesättigt, kennt die Autorin doch die patriarchalischen und gewalttätigen Zustände in der türkisch-kurdischen Community in Berlin aus ihrer Anwaltspraxis. Nur zustimmen kann er Ates' Kritik an Kürzungen von Mitteln für Frauenhäuser und Mädchenzufluchtsstellen ebenso wie der an naiven, linken Multikulti-Anhängern, die Gewalt, Unterdrückung und sexuellen Missbrauch von Mädchen und Frauen in Migrantenfamilien lange ignorierten. Minkmar hebt hervor, dass das Buch neben seiner Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Themen auch ein "warmes und eindringliches" Plädoyer für eine sexuelle Befreiung der Frauen in islamischen Gemeinschaften enthält. Im Unterschied zu den zahlreichen Publikationen von besorgten Politikern zum Thema Migration findet Minkmar dieses Buch höchst anregend.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2007

Einer kühlen Analyse hat Rezensent Micha Brumlik das Buch der Juristin und Frauenrechtlerin Seyran Ates unterzogen. Obwohl - oder gerade weil - er sich mit großen Teilen nicht einverstanden erklärt, empfiehlt er die Lektüre dieser Sammlung aus biografischen Fragmenten, juristischen Kommentaren, Vorträgen und politischen Statements als Pflichtlektüre für alle, die sich mit dem Einwanderungsland Deutschland auseinandersetzen. Brumliks Kritik entzündet sich zum Beispiel an Ates' Vorstellungen von einer Reform des Islam, hier wirft er der Autorin schlicht laienhafte Kenntnisse vor. Ihre Überlegungen zu einer Neuausrichtung der Immigrationspolitik lassen ihn einen Balanceverlust zwischen Tradition und Säkularisierung befürchten. Im Detail weist der Rezensent der Autorin einige Unstimmigkeiten nach und kritisiert Pauschalurteile. Für Brumlik zeigt Ates gewissermaßen unfreiwillig all die Fallen, die auf dem schwierigen Weg zur "Avantgarde eines neuen, postnationalen politischen Bewusstseins" zwischen falsch verstandener Eindeutschung und "religiöser Selbstbehauptungsstrategie" liegen.
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