Zsofia Ban

Als nur die Tiere lebten

Cover: Als nur die Tiere lebten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518424247
Gebunden, 207 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Terézia Mora. Am Strand von Rio de Janeiro wird die kleine Anna im Getümmel von ihrer Mutter getrennt. Als das Mädchen sie nach kurzem albtraumhaften Verlorensein erleichtert am Wasser stehen sieht und sich ihr von hinten nähert, hört sie, wie die Mutter ein verzweifeltes "Sogar hier … sogar hier!" vor sich hinmurmelt. Was diese Worte bedeuten, vor allem aber wer ihre Mutter war, die sieben Sprachen sprach, aber mit ihrem Kind in keiner einzigen reden konnte, das begreift die Fotografin Anna erst Jahrzehnte später - als sie in einer Versuchsstation in der Antarktis das Naturphänomen des White-out aufnimmt, das alles verschluckende Weiß. Und Zsófia Bán ist eine so raffinierte Autorin, dass ihr Text in seinem Verlauf die traumatische Wahrheit eines Lebens allererst zu Tage zu fördert, die Erinnerung sich gleichsam im Augenblick des Erzählens ereignet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2014

Es sind vor allem Bilder, die zwischen den einzelnen Erzählungen und Erzählebenen in Zsófia Báns "Als nur die Tiere lebten" einen Zusammenhang herstellen, berichtet Jörg Plath, der sich hier überwiegend an symbolischen Einzelheiten entlang hangelt. Da ist zum Beispiel die Erzählung einer Frau, die im Flugzeug von einem Mann bedrängt wird. Unvermittelt wird die Geschichte eines achtjährigen Jungen eingeflochten, der sich an einem Mädchen vergehen will, aber von seinem Vater erwischt und zur Strafe mit einem Gürtel geprügelt wird - der ihm eine Wunde an ebenjener Stelle zufügt, an der der Mann im Flugzeug eine Narbe hat, so der Rezensent. Ähnliche, weniger offene Verbindungen durchziehen das ganze Buch, verrät Plath, der vermutet, dass eine gewisse Kenntnis poststrukturalistischer Theorien das Aufdecken der doppelten und dreifachen Böden erleichtert, unbedingt notwendig sind sie aber nicht, beruhigt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2014

Der Rezensent Lothar Müller zeigt sich in seiner Besprechung höchst erfreut über den nun in deutscher Sprache vorliegenden Erzählungsband "Als nur die Tiere lebten". Die scheinbar unverbundenen Erzählungen verbindet die Strategie des Erzählens: Müller nennt dieses Pinzip "Blow-Up"-Prinzip. Die Geschichten werden aus einem Bild, einer Fotografie heraus entwickelt; beschrieben werden keine epischen Familiengeschichten, sondern stets an der Oberfläche bleibende, andeutende Erzählungen. Auch wenn es sich bei den Texten,wie Müller feststellt, keineswegs um autobiografische Erzählungen handelt, so erkenne man dennoch den Hintergrund, die "historisch-politische Erfahrung" der ungarischen Schriftstellerin, was in Müllers Augen den Band sehr bereichert. Explizit lobt der Autor die Übersetzung von Terézia Mora.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2014

So ohne weiteres kommt Maria-Xenia Hardt nicht klar mit diesem Buch von Zsofia Ban. Die enthaltenen 15 Erzählungen über Geburt, Tod, Fortgehen und Zurückkehren in Ungarn und Südamerika begreift sie zunächst als Sammlung von etwas merkwürdigen Kurzgeschichten, die durch starke Vergleichen, Detailreichtum und ständig wechselnde Perspektive bestechen. Etwas anstrengend, aber mit ihren aus dichter Sprachen sich emporschwingenden Bildern für die Rezensentin doch ein Genuss. Schließlich jedoch geht Hardt der Zusammenhang der einzelnen Texte auf und dass die Autorin sich nicht zufällig aneinandergereiht, sondern zu einem erzählten Fotoalbum einer Familie im 20. Jahrhundert zusammengestellt hat, das von sämtlichen Abgründen und Leidenschaften der menschlichen Seele berichtet.
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