Fleur Jaeggy

Die Angst vor dem Himmel

Erzählungen
Cover: Die Angst vor dem Himmel
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518474280
Kartoniert, 100 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Barbara Schaden. In sieben Erzählungen entwirft Fleur Jaeggy Wirklichkeiten von äußeren und inneren Zwängen, in denen sich die Menschen beunruhigend gut eingerichtet haben. Eingeengt in Ehen, Beziehungen, Altersheimen und Anstalten versuchen sie zurechtzukommen mit dem, was das Schicksal ihnen zugedacht hat. Stets ist es ein Kampf auf Leben und Tod und manchmal erscheint das Unglück als ein Geschenk des Himmels.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.08.2024

Rezensentin Annabelle Hirsch wirkt sehr fasziniert von Fleur Jaeggys literarischem Werk, das der Suhrkamp Verlag aktuell Stück für Stück neu auflegt, endlich auf Deutsch, jubelt Hirsch. Aber auch im italienischen Original, in dieser "so unkühlen Sprache", entfaltet sich die Hauptqualität von Jaeggys Schreiben, die Hirsch staunend beschreibt: als eine sich ausbreitende "Kälte", die den Lesenden einerseits die Leblosigkeit der Figuren betrauern lässt, die aber andererseits Bewunderung für eine kalte Perfektion auslöst und zum Weiterlesen animiert. So treten in Jaeggys Erzählungen und Romanen - erschienen sind bisher der Roman "Die seligen Jahre der Züchtigung" und die beiden Erzählbände "Ich bin der Bruder von XX" und "Die Angst vor dem Himmel" - meistens Figuren auf, die sich ins große Nichts des Todes wünschen, jeden "Keim" des Lebens in sich erstickt haben oder sich nicht aus einer emotionalen Starre befreien können, gibt Hirsch wieder. Besonders gelungen, wenn auch verstörend, findet sie die Geschichte "Der Vogelkäfig", in dem ein Mann seine Frau zur Selbsterniedrigung vor dem Kostüm seiner verstorbenen Mutter zwingt. Wie Jaeggy "bis zur Perfektion" an diesem zwiespältigen Ideal von "Askese und Disziplin" schriftstellerisch arbeite, ist für die Kritikerin enorm eindrücklich. Sie findet hier weniger den von Reich-Ranicki behaupteten "Charme" als ein unerbittlich unterdrücktes Feuer unter einer Eisschicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2024

"Kompromisslos" nennt Rezensent Rainer Moritz das Schreiben Fleur Jaeggys, und hofft, dass mit den drei Ausgaben im Suhrkamp-Verlag nun auch in Deutschland endlich eine verdiente Rezeption der Schweizer Autorin einsetzt. Ihre Texte sind allesamt kurz, komprimiert, auf das wesentliche reduziert, so der bewundernde Kritiker. Sie öffnen ihm den Raum, sich als Leser selbst ein Bild zu machen. Eine Erzählung spielt im Internat und schwankt für Moritz zwischen "existenzieller Tiefenschürfung" und zartem Witz, ein anderer kurzer Text widmet sich Ingeborg Bachmanns Tod - nichts für schwache Nerven, aber äußerst lesenswert, resümiert er.
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