Museum der Einsamkeit
Erzählungen

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518432303
Gebunden, 268 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Um Würde oder ihr Fehlen geht es in diesen neun Erzählungen, in denen die Menschen sich bemühen, dem Ideal eines halbwegs gelungenen Lebens etwas näher zu kommen - oder doch am Ende nicht allzu zerknirscht dazustehen. Vom Alleinsein versehrt sind manche, "Engel auf Krücken", die ahnen, dass es nicht unbedingt Flügel braucht, um über sich und die Umstände hinauszugelangen; Liebe würde schon genügen. "Jede wahre, jede leuchtende Kurzgeschichte hat einen romanlangen Schatten", schrieb Ralf Rothmann einmal und stellt es mit Museum der Einsamkeit erneut unter Beweis. Ob er von dem "Budenzauber" eines kleinen Jungen erzählt, der während der Abwesenheit der Eltern den weinenden Bruder tröstet, oder von einer Dozentin, die ihre Mutter in ein Seniorenheim mit seltsamen Kratzspuren an den Türen gibt, ob er einen Handlanger an der Seelenkälte der Maurer oder einen Pfarrer, dessen Tochter stirbt, an Gott verzweifeln lässt - immer offenbart sich uns eine "Wahrheit hinter der Wahrheit".
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2025
Böser Verriss! Paul Jandl geht hart ins Gericht mit diesen neun Variationen über Einsamkeit von Ralf Rothmann. Fast noch mehr als die abgenutzten Wendungen und Klischees ärgert den Kritiker, dass die Erzählungen immer wieder zwischen Sozialkitsch und Zynismus oszillieren - etwa wenn Rothmann von einer alten Frau mit "Wülsten schlaffen Fetts" erzählt, die zwischen Flaschen und Hundekot haust, oder wenn er einen schwulen Maurerlehrling und seinen Mobber in einer in den 1970er Jahren spielenden Geschichte schließlich körperlich zusammenkommen lässt. Und wenn Rothmann schließlich auch noch einen SS-Obersturmführer einen "larmoyanten Monolog" über sein Leben halten lässt, ist das Buch für Jandl endgültig "tragisch missglückt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2025
Mit Ralf "Rothmanns kleiner Klischee-Fabrik", seinem neuen Erzählungsband, kann Rezensent Tobias Lehmkuhl gar nichts anfangen: Schon von Beginn an irritiert ihn, wie Rothmann etwa über einen alternden Geschäftsmann schreibt, dem Geld und schöner Schein überlebenswichtig sind, und der eine albanische Pflegerin (und später Geliebte) einstellt, deren Söhne ihn ausrauben, dafür werden alle möglichen Balkan-Stereotype auf den Tisch gelegt. Fürchtet der Rezensent zunächst, den Autor möglicherweise nicht verstanden zu haben, kommt er recht bald zu der Überzeugung, dass sich auch die anderen Geschichten nicht davon abgrenzen: Egal, ob es um sterbende Immobilienmakler oder krebskranke Kinder geht, die da in "literarischer Leichtbauweise" zum Thema werden. Besonders ärgerlich findet Lehmkuhl das bezüglich einer Erzählung, in der die Geschichte eines KZ-Vorstehers mit der des Holocaust-Opfers Etty Hillesum verknüpft und verkitscht wird, wie er schließt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 22.05.2025
Rezensent Jan Drees wird nicht sehr glücklich mit diesem Erzählband, der das Ringen um Würde umkreist. Immer da, wo Rothmann die Arbeitergeschichten aus dem Zechenmilieu aufgreift, mit denen er bekannt wurde, sieht Drees wieder das ganze Potenzial des Schriftstellers. Aber warum nur wird seine Sprache immer mehr "Literatur-Literatur-Sprache", fragt sich der Kritiker. Ganz zusammen fällt der Band für ihn mit der letzten Geschichte über einen larmoyanten NS-Täter: Das ist "plumper 'Holokitsch'", urteilt er streng.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.05.2025
Rezensentin Judith von Sternburg freut sich, dass Ralf Rothmann wieder einmal einen Band mit plastisch-realistischen Erzählungen vorgelegt hat, die zeigen, wie das Leben sich im Moment ändern kann und sich existenzielle Räume öffnen. "Ein Tatort von Ralf Rothmann müsste ein Knüller sein", hält sie beispielsweise zu einer der Geschichten fest, in der ein Mann von der Söhnen seiner Pflegerin und Geliebten ausgeraubt wird und es viel zu spät merkt, in einer anderen Geschichte entdeckt ein Maurerlehrling seine Leidenschaft für Shakespeare. Viele der verhandelten Themen kennt Sternburg schon von dem Autor. Und auch der Umgang mit Überraschendem und mit Details überzeugt sie hier zum wiederholten Mal. "Mit Gelassenheit" erzählt Rothmann ihr zufolge davon, dass im Leben vieles "zum Verzweifeln" ist.