Yannick Haenel

Das Schweigen des Jan Karski

Roman
Cover: Das Schweigen des Jan Karski
Rowohlt Verlag, Reinbek 2011
ISBN 9783498030070
Gebunden, 188 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Jan Karski, Kurier des polnischen Widerstands, sollte der Welt berichten, was er über die Judenvernichtung wusste. Doch niemand mochte seine Botschaft hören. Der Mann, der "den Holocaust stoppen wollte", versank nach dem Krieg lange in Schweigen. Yannick Haenel gibt Karski nun eine fiktive, eigene, berührende Stimme. Zweimal wurde Jan Karski ins Warschauer Ghetto eingeschleust, denn er sollte als Kurier des polnischen Widerstands der Welt von dem Mord an den Juden berichten. Mit diesem Auftrag reiste er nach England und Amerika,traf sogar Präsident Roosevelt. Die polnische Exilregierung forderte von den Alliierten zu handeln.
Doch warum haben sie es nicht getan? Diese Frage quält Jan Karski sein Leben lang, und die Antworten, die er findet, lassen ihn nach dem Krieg in Schweigen versinken. In seinem ungewöhnlich konstruierten und in Frankreich heftig umstrittenen Roman mischt der Autor Erinnerung, Geschichte und Fiktion. Nach der Beschreibung von Karskis Auftritt in dem Film "Shoah" von Claude Lanzmann versetzt sich Haenel in Ichform in Karski und gibt in einem inneren Monolog den Alliierten eine Mitschuld an der Ermordung der Juden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2011

Im Gegensatz zu Jan Karskis "Bericht an die Welt" bietet Yannick Haenels Buch der Rezensentin kein erkenntnisförderndes Lektüreerlebnis. Problematisch an Haenels Versuch, Karski in seiner Mission als Berichterstatter des Holocaust zu zeigen, findet Marta Kijowska vor allem das Maß an Fiktionalisierung, das Haenel mit Glossen über Kafka, Stalin, Polen und den Kommunismus und erfundenen Monologen seines Protagonisten erreicht. Laut Kijowska hält der Text einer Überprüfung (mit den Fakten aus Karskis Text) nicht stand. Im Übrigen bezweifelt die Rezensentin, ob es der Fiktion bedarf, um das Unbegreifliche zu empfinden, das Karskis Bericht enthält.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Dass Gute an Yannick Haenels Buch ist für die Rezensentin Katarina Bader, dass es die erste deutsche Veröffentlichung von Jan Karskis bereits 1944 verfasster Autobiografie angestoßen hat. Ansonsten kann sie von Haenels Melange nur abraten. "Das Schweigen des Jan Karski" besteht ihrer Darstellung zufolge aus drei Teilen: Im ersten gibt Haenel wieder, was Karski als einstiger Kurier der polnischen Heimatarmee in Claude Lanzmanns Film "Shoah" von seinen wahnwitzigen Aktivitäten berichtet hat ("Plagiat", meint Lanzmann daher), im zweiten fasst er Karskis Autobiografie zusammen, und im dritten reimt er sich Karskis Rückschau auf das eigene Leben zusammen. Für Bader hat das alles weder Hand noch Fuß, so beschreibe er etwa Roosevelt als desinteressierten "schmatzenden Lüstling", während nur ein einziger Anruf ihn belehrt hätte, dass Karski Roosevelt zeit seines Lebens als "Herrn der Menschheit" bewunderte. "Oberflächlich" , winkt Bader ab, und "kaum recherchiert".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2011

Nicht erwärmen kann sich Rezensentin Renate Wiggershaus für Yannick Haenels Roman über Jan Karski, den legendären polnischen Offizier und Kurier des Widerstands gegen die Nazis. Während sie Karskis zeitgleich auf Deutsch erschienenes Werk "Bericht an die Welt" als herausragend lobt, lässt sie an vorliegendem Buch kein gutes Haar, ja, sie findet es schlicht überflüssig. In den ersten beiden Teilen des Buchs erzählt Haenel nach ihrer Auskunft zuerst Claude Lanzmanns Gespräch mit Karski im Film "Shoa" und dann Karskis "Bericht an die Welt" nach. Als störend empfindet sie dabei den oft "unmotiviert saloppen Ton". Besonders ärgert sich Wiggershaus aber über den dritten Teil des Romans, wo Haenel in die Figur Karskis schlüpft, um ihn rührselig monologisieren zu lassen, und zwar auf eine schlechthin "unstatthafte und geschichtsverfälschende Weise". Die Lektüre von Haenels Roman kann man sich nach Ansicht der Rezensentin getrost ersparen. Stattdessen empfiehlt sie, das beeindruckende Original von Karski lesen.