Es waren kaum 100 Soldaten, die sich über den Vernichtungskrieg und sein Mordprogramm hörbar empörten, die ihre Kooperation verweigerten, sich demonstrativ nicht an Exekutionen beteiligten oder gar zu Rettern von Juden und anderen politisch und rassisch Verfolgten wurden. Sie zählen zu den wenigen innerhalb der Wehrmacht, die sich ihre humane Orientierung bewahrt haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2002
"Ergreifend" findet Klaus Harpprecht die zehn Fallstudien über Mitglieder der Wehrmacht, die unter Einsatz ihres Lebens Menschen zu retten versuchten. Harpprecht verweist etwa auf Willi Schulz, der mit einem requirierten Lastwagen fünfundzwanzig Menschen aus dem Minsker Ghetto abtransportierte, darunter seine Geliebte, oder Oberst Karl von Bothmer, der als Chef der Feldkommandantur im serbischen Nisch gegen die Massenerschießungen vor allem jüdischer Geiseln protestierte. Zu den "eindrucksvollsten" Geschichten gehört für Harpprecht diejenige des Feldwebels Anton Schmid, "der den jüdischen Widerstand in Wilna mit erstaunlicher Courage unterstützte". Schmid wurde 1942 standrechtlich erschossen. Nicht zuletzt lobt Harpprecht die "wunderbare" Einleitung des New Yorker Historikers Fritz Stern, in der dieser vorschlägt, ein europäisches "Ehrenmals der Gerechten" zu errichten.
Eine "wertvolle Sammlung von Biografien" erblickt Rezensent Christian Semler in dem von Wolfram Wette herausgegebenen Band "Retter in Uniform", der eine Reihe von Rettungsaktionen deutscher Wehrmachtsangehöriger in besetzten Gebieten dokumentiert. Semler hebt hervor, dass die Beiträge über die Rekonstruktion der einzelnen Fälle hinaus auch den biografischen Hintergrund der Akteure beleuchtet. Es zeigt sich, so Semler, dass den Rettern, die meist einem spontanen Entschluss folgten und ohne Rückhalt seitens der "Kameraden" waren, oft eine christlich geprägte Werteordnung zu eigen war. Für die Analyse der Rettungsgeschichten erweist der Begriff des "Handlungsspielraumes" nach Ansicht Semlers erneut seine "große heuristische Bedeutung". Semler kommt zu dem Schluss "dass viel mehr Rettungstaten möglich gewesen wären, wenn Zivilcourage in Deutschland nicht als Fremdwort gegolten hätte". Darin sieht er die aktuelle Botschaft des Werkes. Befürchtungen, Arbeiten wie diese könnten zur Entlastung der Wehrmacht und ihres Vernichtungskrieges im Osten beitragen, hält Semler für grundlos: "Sie wecken vielmehr die bohrende Frage", schließt er, "wie hättest du dich in einer vergleichbaren Situation verhalten?"
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