"Volk" und "Nation" waren Begriffe, die deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges täglich gebrauchten, um damit Freund und Feind zu definieren. In der Vorstellung einer "nationalen Volksgemeinschaft" versammelten sich Bilder von Männlichkeit, Ordnung und Sauberkeit, Rassismus und Antisemitismus. Alles Alltägliche konnte unversehens zu einer nationalen Angelegenheit werden und die Überlegenheit deutscher Soldaten und die Unterlegenheit ihrer Feinde begründen. Feldpostbriefe von der Ostfront, die der Autor als Hauptquelle benutzte, und die Zensurakten der Militärbehörden mit ihren Stimmungsberichten aus der Truppe zeigen, wie diese Bilder für die Soldaten "Realität" wurden und ihr gewalttätiges Handeln im Vernichtungskrieg begründeten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2007
Kritisch äußert sich Rezensent Christian Hartmann über Sven Oliver Müllers Arbeit über die Bedeutung des "gewöhnlichen" Nationalismus für die Soldaten der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Zwar findet er den Ansatz interessant und wichtig. Aber die Umsetzung hat ihn nicht überzeugt. Er hält dem Autor vor, die Abgrenzung zwischen Nationalismus und Nationalsozialismus begrifflich aufzuweichen. Das Verhalten der Wehrmachtssoldaten scheint ihm so nicht plausibel erklärbar, war ein betonter Nationalismus damals doch charakteristisch für fast alle kriegsführenden Gesellschaften und Staaten. Der in seinen Augen entscheidende Punkt, die Instrumentalisierung der Armee durch ein totalitäres, mörderisches System gerate dabei aus dem Blick. Nicht überzeugen können ihn auch die Überlegungen des Autors zur Fremd- und Eigenwahrnehmung der deutschen Kriegsteilnehmer. Hier kreidet er dem Autor Leichtfertigkeit und einen Mangel an Behutsamkeit an.
Mit viel Aufmerksamkeit hat Wolfram Wette Sven Olivers Buch über die Haltung deutscher Wehrmachtssoldaten ihren Feinden gegenüber gelesen, in dessen Zentrum die Frage steht, inwieweit die einfachen Soldaten bereits durch vorhandene nationalistische und rassistische Überzeugungen für die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten empfänglich waren. Der Autor entwickle dafür nicht nur anspruchsvolle Theorien, sondern untermauere seine Thesen mit viel empirischem Material, insbesondere Feldpostbriefen deutscher Soldaten, teilt der Rezensent mit. Insbesondere die von den Nazis beschworene "Volksgemeinschaft" hat offensichtlich die Soldaten in ihrem vorhandenen Nationalismus und Rassismus bestärkt und ihnen die moralische Begründung der von den Nazis betriebenen Vernichtungspolitik gegenüber den als "minderwertig" gebrandmarkten Feinden geliefert, erklärt Wette. Er betont allerdings eingenommen, dass Müller selbst vor einer "Verabsolutierung" dieser Einschätzung warnt und die These keineswegs zu allzu linearen Interpretationen der jüngeren Geschichte genutzt sehen will.
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