Die neue, nach heftiger öffentlicher Debatte völlig überarbeitete Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung, die den Vernichtungskrieg der Deutschen Wehrmacht gegen die Sowjetunion von 1941 bis 1944 zum Gegenstand hat, stößt wie ihre Vorgängerin auf breitestes Publikumsinteresse. Nach dem Auftakt in Berlin wird sie ab sofort als Wanderausstellung durch Deutschlands Städte ziehen. Die neben dem aufwendigen Ausstellungskatalog aufschlussreichsten Begleittexte sind im vorliegenden Band versammelt, der den Blick auf den Völkermord an den Juden, namentlich auf die verschiedenen beteiligten Tätergruppen richtet. Die Autoren, überwiegend Historiker der jüngeren Generation, stellen neue Erkenntnisse zu den Mordaktionen von Wehrmachtseinheiten, Einsatzgruppen und Polizeibataillonen vor und rücken die Zivilverwaltungen und die Kollaborateure ins Blickfeld, deren Tatbeteiligung bisher kaum Beachtung fand.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2002
Der Band, der eine Tagung dokumentiert, ist ein Begleitband zur neu aufgelegten Wehrmachtsausstellung; er untersucht die Rolle der Wehrmacht beim "Unternehmen Barbarossa", dem unvorstellbar blutigen Überfall auf die Sowjetunion. Die Beiträge, stellt der Rezensent (Kürzel uha.) fest, sind betont nüchtern und "technisch" gehalten, sie befassen sich mit dem "Aufbau der Besatzungsmacht" und dem Verhältnis der verschiedenen darein verwickelten Institutionen zueinander. "Erstaunlich" findet der Rezensent, wie wenig bis heute bekannt ist. Und "unvermeidlich" sei es wohl, dass das Leid, das millionenfach zugefügt wurde, in der Beschreibung "auf verstörende Weise abwesend bleibt."
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