Wer den Parteispenskandal der CDU zu einem Kavaliersdelikt herunterredet, der verschweigt, wie Kohl mit schwarzen Geldern Politik machte, Strippen zog und die Demokratie aushöhlte. Klaus Dreher zeigt, daß das illegale Finanzgebaren System hatte und bis in die Mainzer Jahre Helmut Kohls zurückreicht. Tragende Säule des Kohlschen Systems der Machterhaltung war eine Konstruktion aus schwarzen Kassen, trüben Geldflüssen, finanziellen Gefälligkeiten und Strafen. Mit Zuwendungen schaffte Helmut Kohl sich Loyalität und isolierte so Widersacher und parteiinterne Gegner. Das sicherte ihm über 25 Jahre den CDU-Vorsitz, 16 Jahre regierte er die Bundesrepublik. Nur wenige Getreue waren in diese Praktiken eingeweiht. Klaus Dreher hebt den Mantel der Geschichte von Wiedervereinigung und europäischer Annäherung, unter dem Kohl anderes gerne verborgen gehalten hätte.
"Die Medienkarawane" ist längst "weitergezogen", die Kohl-Spendenaffäre aus dem Blick der Öffentlichkeit entschwunden, schreibt Bruno Schirra. Nicht verschwunden sei sie aber aus dem Blick des Kohl-Biografen Klaus Dreher, der mit diesem Band eine Art "Nachtrag" zu seiner ausführlichen Kohl-Biografie geschrieben habe. Die sollte man allerdings kennen, meint der Rezensent, ehe man sich dem Nachtragsband zuwendet. Zwar biete der Autor auch hier eine "demaskierende Charakterstudie des Exkanzlers", aber die Thesen Drehers zum Spendenskandal bleiben "diffus" und "teilweise nur anrecherchiert", meint Schirra. "Umfassend" und "tief" werde der Leser nicht informiert. Dennoch findet Schirra das Buch "spannend": Immerhin werde hier Kohls Machtversessenheit ein weiteres Mal deutlich, resümiert der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2002
In "Sachen Kohl" war Klaus Dreher "immer gut", meint Franziska Augstein und spielt damit auf die Biografie des Journalisten (und Bonner Büroleiters der SZ) über Helmut Kohl an, die er vor vier Jahren veröffentlicht hatte. Als Fortsetzung dieser Biografie sollte man auch den neuen Band Drehers lesen, denkt die Rezensentin. Zwar sei es als solche nicht unbedingt gedacht, sondern vielmehr als Enthüllung über die wahren Hintergründe der Spendenaffäre. Doch Dreher bringe außer zwei abenteuerlichen Thesen hier nichts Neues ins Spiel der Aufklärung und Spekulation, meint Augstein. These eins laute, die Öffentlichkeit habe sich in der Affäre mehr auf Leuna und andere Aspekte als auf Kohl selbst fixiert. Leider führe der Autor diese These nicht weiter aus, kritisiert die Rezensentin. Und These zwei über den "Putsch-Versuch" Geißlers aus Gründen einer Mitwisserschaft des Generalsekretärs findet die Rezensentin auch nicht schlüssig. Abgesehen davon sei Dreher auch noch ein "aufregender" und "handfester" Fehler unterlaufen: Er habe, schmunzelt Augstein, wohl versehentlich die ehemalige französische Premierministerin Edith Cresson mit "der Hure der Nation" Christine Deviers-Joncourt verwechselt und sie damit zur Geliebten des Ex-Außenministers gekürt, was alle Beteiligten vermutlich mit großem Erstaunen zur Kenntnis nehmen dürften.
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