Wolfgang Matz

Die Kunst des Ehebruchs

Emma, Anna, Effi und ihre Männer
Cover: Die Kunst des Ehebruchs
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783835314597
Gebunden, 320 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Liebe und Betrug sind die ewigen Themen der Literatur, von Tristan und Isolde bis Don Giovanni - mitten im 19. Jahrhundert taucht aber plötzlich im Gesellschaftsroman eine neue Variante der alten Geschichte auf: der Ehebruch in der bürgerlichen Familie. Emma Bovary, Anna Karenina und Effi Briest - das sind die drei berühmten Frauen, die das Verbotene tun und um eines anderen Mannes willen ihre ganze Existenz riskieren: Emma, die radikale Spielerin, Anna, die leidenschaftlich Liebende, und die viel zu junge, naive Effi, die der flüchtigen Gelegenheit nicht widersteht. Wolfgang Matz folgt den Geschichten dieser ganz verschiedenen Frauen, ihrer Ehemänner und ihrer Liebhaber und erkundet, warum ihr privates Scheitern zwischen persönlichem Freiheitsdrang und gesellschaftlicher Ordnung ihre Schöpfer Gustave Flaubert, Lew Tolstoi und Theodor Fontane so fasziniert hat und wie dieses wiederum deren Schreiben bestimmt. Mit den gesellschaftlichen Befreiungen des 20. Jahrhunderts verschwindet die Gattung des Ehebruchromans zwar, aber all die katastrophal scheiternden Liebesgeschichten stehen nach wie vor im Mittelpunkt der Literatur, und deshalb nimmt Wolfgang Matz auch die heutigen Ausweitungen der Kampfzone in den Blick.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2014

Wer war sündiger, Effi Briest, Emma Bovary oder Anna Karenina? Oliver Pfohlmann erfährt's bei Wolfgang Matz und seiner laut Rezensent mit lauter überraschenden Erkenntnissen aufwartenden Studie über alles wagende Seitensprünge und gehörnte Ehemänner in der Literatur bei Tolstoi, Flaubert und Fontane. Dass der Autor das fiktive Personal, Liebhaber, Ehegatten und die Frauen, befragt, wie die Beteiligten an einem echten Fall, macht Pfohlmann sichtlich Spaß. Dem vermeintlich kanonischen Text gewinnt der Autor dabei jedenfalls immer wieder Aufschlussreiches und Neues ab, versichert der Rezensent. Auch, da Matz so gut fragen kann, wie Pfohlmann erklärt. Etwa nach dem Geschehen nach dem Seitensprung, oder ob der Tod der Heldinnen jeweils als Strafe zu begreifen sei.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.07.2014

Ein Hochzeitsgeschenk für gebildete Paare hat Wolfgang Schneider zu annoncieren. Von Wolfgang Matz lernt der Rezensent nicht nur, was die Damen Bovary, Briest und Karenina unterscheidet. Darüber hinaus erhält er scharfe Profile der Figuren. Dass der Autor in Tolstoi seinen Meister gefunden, "Effi Briest" jedoch wegen seines Plaudertons abwertet, verbucht Schneider als Geschmacksfrage. Lernen kann er aus dem Band hingegen so einiges, was für das Zusammenleben heute relevant ist. Und dass die Klassiker des Eheromans insgesamt mehr zu bieten haben, als Gegenwartsromane, dämmert ihm bei der Lektüre auch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.07.2014

Als "Fest der Literatur" feiert Rezensent Joseph Hanimann "Die Kunst des Ehebruchs", das neue Buch des Komparatisten Wolfgang Matz. Der Kritiker vergnügt sich hier mit den großen Ehebrecherinnen Emma Bovary, Anna Karenina und Effi Briest, bewundert neben Matz' brillanten Analysen die zahlreichen, unterhaltend erzählten philologischen und biografischen Anekdoten und Pointen und lernt darüber hinaus einiges hinzu: Etwa, weshalb diese Bücher trotz des gewandelten Geschlechterverhältnisses immer noch eine so große Attraktivität ausüben, wo genau die Unterschiede zwischen den drei berühmten Ehebrecherinnen liegen oder was eigentlich aus den Liebhabern geworden ist. Nicht zuletzt erfährt der Rezensent hier auch, wie sich die Thematik bei Autoren wie Michel Houellebecq oder Arno Geiger niederschlägt. Ein wunderbares, lehrreiches, zwischen Essay, Kommentar und Nacherzählung wechselndes Buch, das die Lektüre lohnt, schließt der Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2014

"Brillant, großartig, klug" - Rezensent Jürgen Kaube findet kaum genug Lobesworte, um seine Begeisterung für Wolfgang Matz' Studie "Die Kunst des Ehebruchs. Emma, Anna, Effi und ihre Männer" auszudrücken. Mit großem Interesse liest er die Arbeit des Münchner Literaturhistorikers, der anhand der Werke von Flaubert, Tolstoi und Fontane die eindrucksvollen Konstruktionen der Ehebruch-Romane untersucht und dabei insbesondere Charakteristik, Stand und Alter, Intelligenz und Gewissen, Temperament und Fantasiebegabung der Ehemänner, Ehebrecherinnen und Geliebten genau betrachtet. Kaube lobt das Talent des Autors, den eigentlich akademischen Stoff mit eindringlichem Gespür für psychologische Zwischentöne darzustellen. Er erfährt hier nicht nur viel über die Beweggründe für den Ehebruch, sondern folgt auch Matz' überzeugender Analyse der Romane hinsichtlich ihres Status' als Kunstwerk: So bleibe Fontanes Werk etwa weiter hinter jenen seiner Zeitgenossen zurück. Auch Matz' abschließender Ausblick auf die Weiterführung des Motivs, etwa bei Michel Houellebecq oder Arnold Geiger, hat dem Rezensenten neue Erkenntnisse beschert und so kann er dieses Buch nur unbedingt empfehlen.