1920 war ein Jahr, das den Zeitgenossen chaotisch, anarchisch und haltlos erschien. Zugleich war es der Moment für Visionen, Träume und Utopien. Denn der Nullpunkt, nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs und vor dem Aufschwung in die Goldenen Zwanziger, liegt zwischen beiden Polen als ein Raum von ungeahnter Kraft. Wolfgang Martynkewicz entwirft ein Schicksalspanorama, das diesen entscheidenden Wendepunkt europäischer Geschichte wieder aufleben lässt - mit eindrücklichen Porträts von Bertolt Brecht, Sigmund Freud, Franz Kafka, Milena Jesenská, Hannah Höch u. v. m.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.03.2020
Harro Zimmermann kommt bei der Lektüre des Buches über das Jahr 1920 von Wolfgang Martynkewicz nicht umhin, sich zu fragen, wo wir uns heute, hundert Jahre später befinden. Die Darstellung des "Zeitenbruchs" von 1920, wie sie der Kulturhistoriker vorlegt, findet er kenntnisreich und prägnant und mit Sinn für das Geisterhafte und sich Überstürzende der Ära. Armut, Gewalt, Theater, Tanz, Sport, Glamour, die Faszination für unheimliche Herrscherfiguren und die intellektuellen Ideen von Freud, Brecht, Kafka - all das erfasst und kommentiert der Autor laut Zimmermann ausgiebig und aufschlussreich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2019
Florian Keisinger bekommt keine Geschichte des Jahres 1920 mit diesem Band von Wolfgang Martynkewicz. Was der Literaturwissenschaftler hier an Gestalten und Gedanken zusammenstellt, taugt laut Keisinger allerdings zu einem "literatur- und kulturgeschichtlichem Panoptikum der vom Autor als Epochenschwelle begriffenen Zeit um 1920. Wie Döblin, Freud, Jünger, Lukács und andere die Atmosphäre des politischen und kulturellen Verfalls wahrnahmen und was sie dazu zu sagen hatten, erfährt Keisinger nicht aus der allwissenden Rückschau, sondern aufbereitet als "gut geschriebene" "intellektuelle Fundgrube".
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