Wolfgang Leonhard

Meine Geschichte der DDR

Cover: Meine Geschichte der DDR
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783871345722
Gebunden, 266 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Die Bilanz eines Jahrhundertzeugen: Wolfgang Leonhard, Jahrgang 1921, der letzte Überlebende der "Gruppe Ulbricht" und Autor des Bestsellers "Die Revolution entlässt ihre Kinder", zieht Bilanz. Sein Leben war mit der Geschichte des Kommunismus im 20. Jahrhundert aufs Engste verbunden. Leonhard gehörte zu den ersten Führungskadern, die Deutschland nach dem Krieg im Sinne des Sozialismus wieder aufbauen sollten. Bald brach er jedoch mit dem Stalinismus, wie er in der DDR Gestalt annahm. Hier beschreibt er Aufstieg und Fall eines Staates, dessen Gründungsideale er leidenschaftlich teilte - und dem er letztlich enttäuscht den Rücken kehrte. Er erzählt von den Anfangsjahren nach 1945, seinem späteren Leben als Ostexperte im Westen und von Plänen der Stasi, ihn zu entführen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2008

Es sind die kleinen Details, die Wolfgang Leonhards persönliche Geschichte der DDR für den Rezensenten Ulrich Miksch lesenwert machen. Dass Leonhard schon vor der offiziellen Staatsgründung aus der sowjetisch besetzten Zone floh, und somit als "Beobachter von außen" schreibt, stört dabei nicht: Wegen der persönlichen Bekanntschaft Leonhards zu höheren Funktionären liefert der Autor intime Einblicke in das befremdliche Denken der "DDR-Gründergeneration". Der Rezensent kann sich davon in einer abgedruckten Interviewreihe überzeugen, die Leonhard nach dem Ende der DDR erstellt hat. Dass K.O.-Tropfen aus Wein besser als aus Bier herauszuschmecken sind, lernt Ulrich Miksch in den präzisen Schilderungen Leonhards über seine Flucht und die (berechtigte) Angst vor einer Rückentführung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2007

Fasziniert und mit einer gewissen Beklommenheit hat Rezensentin Dorothea Heintze Wolfgang Leonhards "Meine Geschichte der DDR" gelesen, in der er seine Kindheit mit der allein erziehenden Mutter und überzeugten Kommunistin, seine Flucht aus der sowjetisch besetzten Zone 1949 und die Entführungspläne der Stasi schildert. Wiewohl einiges Bekanntes zu lesen ist, betont die Rezensentin eingenommen, dass sich mit dem Autor jemand zu Wort meldet, der Zeit seines Lebens für freie Meinungsäußerung eingetreten ist, und sie stellt anerkennend fest, dass Leonhard auch in diesem Buch kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es beispielsweise um sein Bedauern geht, wie umstandslos die DDR "abgewickelt" wurde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2007

Mit großen Interesse, manchmal sogar mit Faszination, hat Rezensent Karl Wilhelm Fricke dieses Buch gelesen, mit dem Wolfgang Leonhard an sein großes Buch "Die Revolution entlässt ihre Kinder" von 1955 anknüpfe. Leonhard, Sohn einer glühenden Kommunistin, die mit ihm 1933 über Schweden in die Sowjetunion emigrierte, kam nach dem Zweiten Weltkrieg als Mitglied der Gruppe Ulbricht nach Deutschland zurück. Doch bereits 1949 brach er mit dem Kommunismus und floh in den Westen. In diesem Buch nun verbinde Leonhard seine eigenen Erfahrungen mit der Geschichte der DDR, was Rezensent Fricke sehr gern gelesen hat: "Höchst subjektiv" seien Leonhards Wertungen, räumt er ein, "aber allemal anregend". Besonders spannend findet Fricke, dass Leonhard in diesem Buch nun nachtragen kann, was in seinem Bestseller von 1955 noch nicht möglich war: Einzelheiten zu seiner Flucht, bei der ihm jugoslawische Diplomaten geholfen hatten. "Aufschlussreich" findet der Rezensent zudem, was Leonhard über die Wiederbegegnung mit früheren Weggefährten wie Mischa Wolf nach der Maueröffnung erzählt. Voll und ganz eingenommen hat Fricke schließlich, wie ehrlich er über Erfolge, Enttäuschungen, Traumata und Ängste berichtet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.04.2007

Ein "sympathisches Gelegenheitsbuch" habe Wolfgang Leonhard geschrieben, lobt Rezensent Thomas Kröter. Interessant an Leonhards Rückblick sei beispielsweise, wenn er von späteren Begegnungen mit alten Kommunistenfreunden berichte und dabei ihr Reflektionsniveau "seziere". Im Falle Mischa Wolfs sei dies eine große Enttäuschung für Leonhard gewesen, da er ihn doch als "Schöngeist" ganz anders in Erinnerung hatte. Neben solchen ernüchternden Passagen schwinge sich der Autor aber auch zu den alten sozialistischen "Jugendträumen" auf, wenn es um die Oppositionszeit in der späten DDR gehe. Entsprechend nüchtern, berichtet der Rezensent, sei auch Leonhards Einschätzung von der Rolle oder gar Leistung Helmut Kohls bei der Wiedervereinigung. Dieser habe den Traum vom "anderen Deutschland" schließlich beerdigt. Aber auch die Ostpolitik Willy Brandts und die Annäherungsbestrebungen der Sozialdemokratie seien von Leonhard immer kritisiert worden, weil sei aktuell stabilisierend gewirkt hätten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2007

Christoph Dieckmann hat Wolfgang Leonhards neues Buch vor allem mit Blick auf seinen großen Erinnerungsbericht "Die Revolution entlässt ihre Kinder" gelesen, und im Vergleich dazu kann "Meine Geschichte der DDR" natürlich nicht sehr gut abschneiden. Auch wenn Dieckmann den  "Urdissidenten" Leonhard und seine ein wenig "jungromantische" Menschengläubigkeit und Versöhnungsbereitschaft durchaus schätzt, muss er bei ihm als DDR-Historiographen Abstriche machen. Schließlich hat Leonhard die DDR zum ersten Mal im Dezember 1989 betreten (die SBZ hat er 1950 verlassen). Und so kann der Rezensent vielen Urteilen Leonhards einfach nicht zustimmen, und rein erzählerisch fehlen ihm in diesem Buch die episodischen Pointen, die "Die Revolution entlässt ihre Kinder" noch zum wahren Erinnerungsthriller machten.

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