Vertriebene bildeten keine homogene soziale Gruppe, die in eine bereits gefestigte gesellschaftliche Ordnung integriert worden wäre. Vielmehr waren die Vertriebenen durch ihr politisches und gesellschaftliches Engagement in Verbänden, Parteien und Parlamenten an der Entstehung der Gesellschaft und des politischen Systems der Bundesrepublik aktiv beteiligt. Gegenstand der Untersuchung sind Vertriebene als Abgeordnete im Deutschen Bundestag und ihr parlamentarisch-politisches Agieren in den Fraktionen, in Ausschüssen und Plenardebatten vom Beginn der Ära Adenauer 1949 bis zum Ende der Regierungszeit Willy Brandts 1974.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2011
Über die Verschiedenheit der Bundestagsabgeordneten, die sich zu den Heimatvertriebenen zählen lassen, sowie über die Vertriebenenpolitik in den Debatten des Buundestags erfährt Michael Wildt in diesem Buch von Wolfgang Fischer eine ganze Menge. Allerdings hat er seine Zweifel, ob die Kriterien, die die Bezeichnung "vertrieben" berechtigen, so klar sind. Gleichfalls schwierig findet er die Kritiklosigkeit des Autors gegenüber Selbstauskünften der Befragten und den offenkundigen parteipolitischen Verbindungen der Parlamentarier. Hier hätte sich Wildt mehr Engagement gewünscht. Etwa einen Abgleich mit der NSDAP-Mitgliedskartei, um mehr über die Karrieren der 182 untersuchten Parlamentarier während der NS-Zeit zu erfahren.
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