Der Prozess der Aussöhnung von Polen und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg war lange und schwierig. Wladyslaw Bartoszewski gehört zu der kleinen Gruppe couragierter Menschen, die sich nach 1945 bemühten, das Erbe der Vergangenheit zu überwinden und neue Wege in eine gemeinsame Zukunft zu suchen. Als ehemaliger KZ-Häftling in Auschwitz und Teilnehmer am Warschauer Aufstand hat sein Engagement besondere Aussagekraft. Der Autor beleuchtet das mehr als fünfzigjährige Ringen beider Völker um Wiederannäherung. Besondere Bedeutung misst er Initiativen im Raum der christlichen Kirchen wie der "Aktion Sühnezeichen" in der DDR oder "Pax Christi" in der Bundesrepublik sowie der katholischen "Znak"-Bewegung in Polen bei. Bartoszewski schildert, wie der deutsch-polnische Dialog durch die kommunistische Herrschaft in Polen und der DDR bis 1989 erschwert wurde. Kritisch setzt er sich auch mit der deutschen Politik auseinander: mit der allzu starken Rücksichtsnahme vieler Christdemokraten auf die Vertriebenverbände genauso wie mit der unzureichenden Sensibilität von Sozialdemokraten gegenüber der polnischen Opposition vor 1989. Ein sehr persönliches, mit Anekdoten gespicktes Buch, das ungewohnte Einblicke in das deutsch-polnische Verhältnis bietet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2005
Der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski hat ein klärendes Buch über die Schwierigkeiten der deutsch-polnischen Aussöhnung geschrieben. Und dabei im Grunde über sein Leben berichtet, wie Thomas Urban respektvoll feststellt. Es sind Bartoszewskis Memoiren, die hier vorliegen. Als Teenager wurde er nach Auschwitz deportiert, später schloss er sich einer Warschauer Geheimorganisation an, die gegen die Deutschen arbeitete, er nahm an den Auschwitz-Prozessen teil. Später arbeitete Bartoszewski als Politiker aktiv an der deutsch-polnischen Versöhnung. Der Autor ist ein "guter Erzähler", er "charakterisiert Personen farbig, flicht Anekdoten ein", lobt Urban.
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