Svenja Goltermann

Die Gesellschaft der Überlebenden

Deutsche Kriegsheimkehrer und ihre Gewalterfahrungen im Zweiten Weltkrieg
Cover: Die Gesellschaft der Überlebenden
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2009
ISBN 9783421043757
Gebunden, 608 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Svenja Goltermann geht der Frage nach, was die Gewalterfahrungen des Zweiten Weltkriegs für deutsche Soldaten und ihre Familien nach dem Krieg bedeuteten. Ein Beitrag zur Debatte um das Selbstverständnis der Deutschen und ihre Rolle als Täter und Opfer im Zweiten Weltkrieg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2010

Nicht leicht zu lesen, aber von aktueller sowie anhaltender Bedeutung. So beurteilt Hans Ehlert Svenja Goltermanns Studie über deutsche Kriegsheimkehrer nach '45, ihre psychischen Leiden und den gesellschaftlichen Umgang damit. Bemerkenswert findet Ehlert nicht nur die breite Quellenbasis der Arbeit (psychiatrische Fachliteratur, unbekannte Patientenakten aus Bethel). Sondern ebenso die doppelte Perspektivik, die zum einen die Todesnähe, mit der die Soldaten zu tun hatten, und ihre Schwierigkeiten im Nachkriegsdeutschland einsichtig macht. Und zum anderen zeigt, wie die (Wehr-)Psychiatrie sowie die Medien damit umgingen (Stichwort: Rentenneurose). Für Ehlert eine "vorzügliche" Arbeit, die mit ihren militär- und medizingeschichlichen Fragestellungen weit über die Heimkehrerproblematik hinausweist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.04.2010

Am Stil und Duktus des Buches erkennt Godehard Weyerer die Habilitationsschrift. Allerdings hat das Buch für ihn sonst so gar nichts von akademischer Trockenkost. Wie fair und sachlich die Freiburger Historikerin Svenja Goltermann mit ihrem Material (psychiatrische Krankenakten, Gesprächsprotokolle der Psychiater und Selbstzeugnisse Betroffener) verfährt, um ein so einfühlsames wie vielschichtiges Psychogramm gebrochener Kriegsheimkehrer zu entwerfen, das hat Weyerer imponiert. Der Lektüre entnimmt Weyerer Erklärungen für das psychosomatisch auffällige Verhalten mancher Kriegsteilnehmer, aber auch den entschiedenen Einspruch der Autorin gegen eine Gleichsetzung von NS-Opfern und Kriegsheimkehrern.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.01.2010

Grundsätzlich interessiert bespricht der in Jena lehrende Historiker Norbert Frei diese Studie zur Traumatisierung deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg, den besonders der Ansatz dieser "preisgekrönten Habilitationsschrift" beeindruckt hat, Wissenschaftsgeschichte und Zeitgeschichte zusammenzuführen. Die Freiburger Historikerin habe zu diesem Zweck Krankenakten ehemaliger Soldaten in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel ausgewertet, und auch minutiös die Gutachterpraxis der 50er Jahre aufgearbeitet. Trotzdem kann ihm das Buch kein überzeugendes Panorama einer traumatisierten Nachkriegsgesellschaft liefern, vermittelt es nicht einmal ein wirkliches Bild der Gewalterfahrung im Krieg, sondern nur eine "beunruhigende Ahnung" seiner Folgen für die Gesellschaft. Auch vermag Frei die These der Untersuchung nicht zu überzeugen, dass es die "Sagbarkeitsregeln" der frühen Jahre der Bundesrepublik gewesen seien, die eine angemessene öffentliche Erörterung des Soldatenleids verhindert hätten. Durch diesen Zusammenhang sieht Frei auch den "trüben Kontext" der lauthals gestellten Forderungen der politischen Nazi-Kaste nach Rehabilitierung völlig ausgeblendet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2009

Mit dem etwas irreführenden Titel "Gesellschaft der Überlebenden" meint die Autorin Svenja Goltermann deutsche Kriegsheimkehrer. Das Verdienst dieser geschichtswissenschaftlichen Studie über den Umgang mit Gewalterfahrungen bei Soldaten und in der deutschen Öffentlichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg sieht Robert Jütte in der Erschließung neuer Quellen. Goltermanns Verwendung von in Krankenakten verwahrten "Erinnerungsfragmenten" von Kriegsheimkehrern zur Darstellung einer Erfahrungsgeschichte greift für Jütte allerdings dennoch zu kurz. Das Argument der Autorin, anderem Erinnerungsmaterial mangele es an Unmittelbarkeit, überzeugt den Rezensenten nicht. Einen weiteren Mangel sieht Jütte in der Beschränkung der Studie auf die psychiatrischen Fallgeschichten von Männern. Ein Vergleich mit den Geschichten der "Heimkehrerinnen" hätte sich Jüttes Meinung nach gelohnt.
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