Mit einem essay von Steffen Dietzsch. Die Chronik zeichnet auf der Grundlage von in Russland veröffentlichten und zugänglichen Dokumenten aus ehemaligen Archiven der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und des Volkskommissariats des Inneren die Aufeinanderfolge und die Verzahnung der Verhaftungswellen der Angeklagten und Zeugen in den drei Moskauer Schauprozessen gegen das "trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum" im August 1936, das "sowjetfeindliche trotzkistische Zentrum" im Januar 1937 und den "antisowjetischen Block der Rechten und Trotzkisten" im März 1938 nach. Die Chronik dokumentiert das Ineinandergreifen der die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der die vier geplanten Moskauer Schauprozesse begleitenden Propagandakampagnen in der zentralen und lokalen Presse, beleuchtet die auf höchster Ebene abgestimmte Fabrikation der Prozessberichte und rekonstruiert die für die Massenverhaftungen und die Folgeprozesse in der Provinz relevante Signalfunktion der drei durchgeführten Moskauer Prozesse.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2004
In einen Strudel von Dokumenten zu den Moskauer Schauprozessen hat sich Gerd Koenen von der Chronik des Bucharin-Biografen Wladislaw Hedeler ziehen lassen. Auch wenn dieser Band aufgrund eines Lektorats, dem "ärgerliche Redundanzen und widersprüchliche bis falsche Angaben" entgingen, nur bedingt als wissenschaftliches Handbuch tauge, wie Koenen moniert, macht er eine Fülle von Dokumenten verfügbar und liefert so "unschätzbar wertvolles Material", versichert der Rezensent. Gerade durch die Aneinanderreihung unterschiedlichster Dokumente eröffne Hedeler dem Leser einen Blick auf die "blinde Eigendynamik" der Prozesse, so Koenen, und vermittelt eine Vorstellung davon, in welch "paranoidem Ausnahmezustand" sich eine politische Führung befunden haben muss, die Tag für Tag die Protokolle der vermeintlichen Konspiration - Aufzeichnungen Verhören, Geständnissen und Verleumdungen - studierte.
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