Anne Hartmann (Hg.), Reinhard Müller (Hg.)

Tribunale als Trauma

Die Deutsche Sektion des Sowjetischen Schriftstellerverbands. Protokolle, Resolutionen und Briefe (1935-1941)
Cover: Tribunale als Trauma
Wallstein Verlag, Göttingen 2022
ISBN 9783835352254
Gebunden, 469 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Diese erstmals veröffentlichten Moskauer Archivfunde eröffnen eine neue Perspektive auf die Geschichte des deutschsprachigen Literaturexils in der Sowjetunion. Die geschlossene Sitzung der Parteigruppe der Deutschen Sektion des Sowjetischen Schriftstellerverbands im September 1936 setzte ein Fanal: An vier quälend langen Abenden ging es um Verbrechen und Schuld, mangelnde Wachsamkeit und die Lehren, die aus dem Moskauer Schauprozess gegen die "trotzkistischen Banditen" zu ziehen seien. Die im vorliegenden Band erstmals veröffentlichten Sitzungsprotokolle, Resolutionen und Briefe aus den Jahren 1935 bis 1941 erhellen ein dramatisches Geschehen, das in jenem Herbst nicht erst begann und auch nicht endete. In der Enklave der Exilautoren wurde der allgegenwärtige Terror nach innen gewendet. Auf engstem Raum belauerte man sich gegenseitig und rang um politische Akzeptanz und das persönliche Überleben.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 17.01.2023

Mit Zorn und Entsetzen liest Rezensent Marko Martin diese Dokumentensammlung zu den Sitzungen deutsche Schriftsteller im Moskauer Exil in den dreißiger Jahren. Nicht ganz klar wird, inwieweit sie an die von Reinhard Müller bereits 1991 herausgegebenen Dokumente anschließen oder sie ergänzen, doch die Brisanz steht außer Frage: Der Rezensent liest hier noch einmal nach, wie sich kommunistische Autoren an Denunziation und Verleumdung beteiligten, wie sie Opfer von Kampagnen wurden oder willkürlich nach Nazi-Deutschland ausgeliefert wurden, während die Deutsche Zentral-Zeitung (DZZ) noch höhnte: "Weg mit dem Gesindel! lernt den Feind entlarven!" 70 Prozent der deutschen Kommunisten wurden während der mörderischen Säuberungen verhaftet, lernt Martin, während ihre Verräter in der DDR-Kultur später Karriere machten.

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