In der Geschichte der Lager des sowjetischen Gulag nimmt Workuta einen besonderen Platz ein. Die unwirtlichen Verhältnisse nördlich des Polarkreises haben unter den hier Gefangenen während mehrerer Jahrzehnte brutaler Zwangsarbeit unzählige Opfer gefordert, ein rigides Lagerregime trug zum jämmerlichen Dasein der scheinbar von aller Welt abgeschlossenen Inhaftierten bei. Umso bemerkenswerter, daß gerade hier im Juli/August 1953 ein Streik politischer Häftlinge aus über 30 Ländern in einen Aufstand mündete, der trotz blutiger Niederschlagung aus heutiger Sicht wie ein Fanal erscheint. Horst Hennig, der eigenes Erleben in die Waagschale werfen kann, und Wladislaw Hedeler, Historiker und Kenner der sowjetischen Geschichte, stellen eine Chronik jener Ereignisse vor, mit denen Workuta damals Geschichte schrieb. Ihre Rekonstruktion des Häftlingswiderstandes unter Hinzuziehung von Zeitzeugenberichten sowie eine erstmalige Auswertung zahlreicher Dokumente aus sowjetischen Archiven zeigt einprägsam das Ringen der Gefangenen um Freiheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2008
Hermann Wentker begrüßt diesen von Wladislaw Hedeler und Horst Hennig herausgegebenen Band über den Aufstand der Häftlinge des Workuta-Gulags im Jahr 1953. Er schätzt das Werk als eine "verdienstvolle Publikation", nicht zuletzt, weil dieser Streik neben dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR im öffentlichen Bewusstsein untergegangen ist. Eingehend schildert er Ausbruch, Verlauf und Niederschlagung des Aufstands, in dessen Zentrum die Forderungen nach Beseitigung von Willkür, Folter und Misshandlung standen. Neben der Geschichte des Lagers seit 1931 findet Wentker in dem Band eine ausführliche Schilderung der Ereignisse vom 2. Juli bis zum 5. August 1953 sowie einen Abdruck von wichtigen Dokumenten. Er lobt die fesselnde Darstellung, hätte sich aber eine stärkere Einbeziehung von anderen Aufständen in sowjetischen Lagern 1953/54 und des Moskauer Entscheidungsprozesses gewünscht.
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