Orlando Figes

Schick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne

Eine Geschichte von Liebe und Überleben in Zeiten des Terrors
Cover: Schick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne
Hanser Berlin, Berlin 2012
ISBN 9783446240315
Gebunden, 375 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter. Fast wie in einem Roman erzählt der Russland-Historiker Orlando Figes die bewegende, vor allem aber wahre Geschichte von Sweta und Lew. Als Lew aus deutscher Kriegsgefangenschaft in die Sowjetunion zurückkehrt, wird er sogleich verhaftet und für zehn Jahre in das berüchtigte Straflager Petschora hoch im Norden verbannt. Was ihn im Gulag rettet, sind die zahllosen Briefe, die er und Sweta sich schreiben, seine große Liebe in Moskau, die er seit 1941 nicht mehr gesehen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2013

Die 1246 Briefe umfassende Korrespondenz zwischen den jungen Physikern Swetlana Iwanowna und Lew Mischtschenko, der aus dem Gulag schreibt, ergibt in der Romanbearbeitung durch Orlando Figes laut Kerstin Holm nicht nur das herzzerreißende Dokument einer großen Liebe, sondern auch ein wichtiges Stück Mentalitätsgeschichte. Wichtig für Holm, weil die Briefe vom Lageralltag erzählen, vom Leben in Moskau unter Stalin, aber auch vom Ethos der Besitzlosen Kommunisten. Dass Figes mitunter zu melodramatisch wird und auch mal übertreibt, kann Holm dem Autor verzeihen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.12.2012

Rezensentin Susanne Mayer ist dankbar für dieses Buch von Orlando Figes, auch wenn sie es fast unerträglich traurig findet. Etwa eineinhalb tausend Briefe hat der britische Russlandforscher durchgearbeitet, die sich Swetlana und Lew in den Jahren 1946 und 1954 geschrieben haben, während er in einem russischen Umerziehungslager, dem Holzkombinat, inhaftiert war. Da hatte er Stalin, den Zweiten Weltkrieg und Buchenwald schon hinter sich, berichtet die Rezensentin fassungslos. "Schick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne" ist aber auch eine Liebesgeschichte, verrät sie. Lew und Swetlana machen sich abwechselnd Mut zum Aushalten und Weitermachen. Sie täuschen sich aber auch, um einander die eigene Verzweiflung zu ersparen, fasst Mayer zusammen. An mancher Stelle hätte die Rezensentin gerne die vollen Briefe gelesen, wo Figes den Umfang mit Zusammenfassung und Bericht zu bewältigen gesucht hat. Auch als Leser der Rezension ist man froh zu erfahren, dass die beiden am Ende doch noch heiraten und zusammenleben konnten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2012

Ein einzigartiges Dokument erwartet Cord Aschenbrenner hinter Buchdeckeln, die ihm noch kitschig von einer großen, unerzählten Liebesgeschichte prahlen. Da ist der Rezensent aber mal gespannt. Was der Historiker Orlando Figes aus dem Archiv gehoben hat, scheint Aschenbrener allerdings wirklich fantastisch. Dem Briefwechsel der Jahre 1946 bis 1954 zwischen dem in einem nordrussischen Lager internierten Physikers Lew Mischtschenko und seiner in Moskau dem russischen Militär zuarbeitenden Freundin Swetlana Iwanowna entnimmt er selten offene wie umfangreiche Schilderungen über den Gulag, Angst und Hoffnungslosigkeit auch, doch vor allem, und darin liegt für den Rezensenten das Außergewöhnliche dieser Dokumente, die alles überstrahlende Liebe der beiden Briefeschreiber zueinander. Kitsch, den der Rezensent sich gefallen lässt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012

Die Geschichte des Gulags ist durch Berichte von ehemaligen Häftlingen und die Arbeiten vieler Historiker durchaus gut beleuchtet, meint Thomas Medicus. Der englische Historiker Orlando Figes hat selbst durch sein aufsehenerregendes Buch "Die Flüsterer" viel zur Privat- und Familiengeschichte in Zeiten des stalinistischen Terrors beigetragen und führt nun mit der Liebesgeschichte von Lew und Sweta seine Forschungen in die emotionale Geschichte fort, erfahren wir. Sein Fund im von Andrej Sacharow 1988 gegründeten Archiv "Memorial" von drei Truhen mit Briefen, Notiz- und Tagebüchern geben Aufschluss über die ungewöhnliche Geschichte zweier Liebender, die jahrelang getrennt waren und sich doch die Treue hielten, so der Rezensent. Manche Frage allerdings bleibt ihm nach der Lektüre, beispielsweise, wie es Sweta gelingen konnte, sich mehrmals ins Lager in Petschowa zu schmuggeln, um ihren dort inhaftierten Geliebten zu sehen. Auch manch Widersprüchliches über das Lagerleben ist Medicus aufgefallen, und im Zuge dessen fallen ihm unlängst laut gewordene Vorwürfe wegen Quellenmanipulation in Figes "Die Flüsterer" wieder ein. Trotzdem lässt er sich in den Bann dieser Lagergeschichte ziehen, nicht zuletzt auch, weil es Figes gelingt, sie alles in allem "plausibel" zu machen, wie der Rezensent lobt.
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