William Wordsworth

Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge

The 1805 Prelude
Cover: Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2015
ISBN 9783957570857
Gebunden, 384 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Wolfgang Schlüter. Wordsworths Hauptwerk, eines der großen Blankvers-Essays der Weltliteratur, beschreibt die geistige Entwicklung des Dichters und erhielt daher posthum den Titel "The Prelude, or Growth of a Poet's mind". Vergleichbar mit Rousseaus "Confessions" oder Moritz' "Anton Reiser" breitet Wordsworth darin eine autobiografische Erfahrungsseelenkunde aus, die sich in knapp 10.000 Versen mit poetologischen und philosophischen Raisonnements sowie mit einem Epochenportrait der Zeit von 1770 bis 1805 verschränkt. Die hier übersetzte Version aus dem Jahr 1805 unterscheidet sich fundamental von der 45 Jahre lang revidierten und umgeschriebenen Fassung von 1850. Hinreißend schwärmerisch, dem Himmel und den Künsten zugewandt, erweist sich der junge Wordsworth als einer der ganz großen Sehnenden der Weltliteratur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2016

Mächtig und seltsam nennt Thomas Steinfeld William Wordsworth lyrisches Großwerk "The Prelude", ein Langgedicht über das Werden des Dichters, länger als alle anderen Gedichte in englischer Sprache und dennoch nicht abgeschlossen. Bisher gab es nur die deutsche Übertragung von Hermann Fischer aus dem Jahr 1974, und weil zu deren Stärke nicht unbedingt Kürze und Präganz zählten, waren bei Steinfeld die Erwartungen an Wolfgang Schlüters neuen Versuch groß. Doch auch mit dieser ist der Rezensent nicht ganz glücklich. Schlüter neige zu einem "altertümelnden Prunk", moniert Steinfeld. Die Verschiebung in der Stilhöhe erklärt sich Steinfeld mit den Unterschieden in der deutschen und englischen Romantik, doch seien die beiden nicht wirklich parallele Veranstaltungen gewesen. Die englische Romantik war viel moderner, wacher, abenteuerlicher, betont Steinfeld, der dennoch die Wordsworth-Lektüre nur jedem Leser ans Herz legen kann - zur Sicherheit mit Original.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2016

Werner von Koppenfels freut sich über die Erstfassung von William Wordsworths "Prelude" in deutscher Übersetzung. Den Text, für Koppenfels ein Eckstein der englischen Romantik, liest er als "Dichtung des Lebens", als innere Biografie, eingefasst von Kindheitserinnerungen und ersten Bezeugungen poetischer Kraft. Wolfgang Schlüters kundige Übertragung, geprägt durch einen eigenen Ton und Anleihen bei der Goethezeit, scheint Koppenfels allerdings mitunter allzu sehr mit einer Patina belegt, von der das Original frei ist. Dann wieder, meint er, greift der Übersetzer zu Modernismen ("Megacity") - ein Spagat, der den Rezensenten manchmal überfordert.
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