Aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann. Mit ungeheurem Witz, Schärfe und Esprit nimmt Rivarol seine Mitmenschen, Gott, Tiere, die Politik, die Kunst und die Deutschen ins Visier seiner unvergleichlichen Formulierkunst. Er erweist sich ein älterer Bruder Nietzsches als vollendeter und tiefer Menschenkenner, der die menschlichen Leidenschaften rücksichtslos durchleuchtet und sich von keiner noch so perfekten Maske täuschen lässt. Von Ernst Jünger 1956 erstmals in einem biografischen Essay und mit einer kleinen Auswahl dem deutschen Publikum vorgestellt, ist es jetzt möglich, Rivarol, der eine bedeutende subkutane Rezeptionsgeschichte in Deutschland hat, in seiner ganzen Bandbreite kennenzulernen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012
Von bleibender Aktualität ist Antoine de Rivarol für den Rezensenten Eberhard Straub deshalb, weil dieser Kritiker der französischen Revolution vehement auf die Präkarität gesellschaftlicher und politischer Verfassungen hinwies. Die vorliegende von Ulrich Kunzmann herausgegebene Anthologie mit Beobachtungen, Gedanken und Maximen Rivarols aus der Zeit der Revolution liest Straub als Porträt des Menschen als eines sozialen, historischen Wesens. Eines Wesens, wie Straub erläutert, das Rivarol in Gefahr sah, von der Revolution in einen demokratischen Totalitarismus abzugleiten. Laut Rezensent erscheint der Autor in seinen Aufzeichnungen als der Erste, der derart auf die Dialektik der Aufklärung hinwies.
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