Hiromi Ito

Garstiger Morgen

Texte von den Transitzonen des Lebens
Cover: Garstiger Morgen
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751810487
Gebunden, 214 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Ausgewählt, aus dem Japanischen übersetzt und mit einem Nachwort und Kommentaren versehen von Irmela Hijiya-Kirschnereit. Erzählung? Essay? Journal? Memoir? Gedicht? Gebet, Beichte, Beschwörung, Provokation oder Slapstick? Laut oder leise? Krass oder weise? Die vorliegende Textauswahl gibt Gelegenheit, Hiromi Ito kennenzulernen, von ihren Anfängen als zornige junge Dichterin, viel beachtet und gefeiert seit ihrem Debüt Ende der 1970er-Jahre, mit ihren neuartigen Themen und einem unverwechselbaren Tonfall, bis in die Gegenwart der 2020er-Jahre - eine Frau, die sich beim Altwerden zuschaut und "mit allen Wassern gewaschen" ist. Die vorliegende Sammlung von Texten aus 45 lebensprallen, schaffensdichten Jahren verspricht Einblicke in ein Künstlerleben, beginnend mit einem Liebesgedicht, endend mit einem Manifest.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2025

Die Dichterin Marion Poschmann gratuliert ihrer japanischen Kollegin Hiromi Ito zum siebzigsten Geburtstag, zu dem in Deutschland ein Band mit Texten aus über vierzig Jahren erscheint. Naturbegegnungen in den facettenreichen japanischen Bäumen nehmen in den Texten ebenso eine wichtige Rolle ein wie die "Faszination der Berührung", die so typisch ist für die Autorin, und die eine Kaskade an Fragen um Macht, Liebe, Gewalt und das Miteinander auslöst, wie Poschmann schildert. In ihrer Heimat ist Ito als Skandalautorin bekannt, erfahren wir, und ihre eindringlichen Texte über rituelle Suizide und die Hassliebe zur Mutter oder zum eigenen Kind sind für die Rezensentin in ihrer Kühnheit immer noch genauso wirkungsvoll. Trotz der schweren Themen verlieren die Verse nie ihre poetisch-aufmerksame Ausrichtung, die von der Liebe zur Sprache und zum Schreiben getragen ist, so die Kritikerin, die auch die Übersetzungsleistung Irmela Hijiya-Kirschnereits in den höchsten Tönen lobt. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2025

Rezensent Jörg Plath erkennt in "Garstiger Morgen" die leuchtenden "Umrisse eines beeindruckenden", kraftvollen Werkes, das im deutschsprachigen Raum lange in Vergessenheit lag. Nach einem aufsehenerregenden ersten Sammelband erschien dreißig Jahre lang kein Text von Ito in deutscher Sprache, weiß Plath. 2021 wurde dann ihr Roman "Dornauszieher" publiziert. Mit der gut kommentierten zweiten Lyrik- und Prosa-Sammlung dürfte die Autorin nun endlich auch in der deutschen Literaturlandschaft angekommen sein, hofft Plath. Als eine Autorin des "Dazwischen" beschreibt dieser die gebürtige Japanerin. Es sind vielfältige Zwischenäume, die sie literarisch erforscht - in einer Sprache, die sich vor allem durch ihre schonungslose Direktheit, ihre Unmittelbarkeit auszeichnet, lesen wir. Insbesondere der weibliche Körper wird darin beschrieben als ein Kampfplatz widerstreitender Zwänge und Bedürfnisse. Das lyrische Ich, Alter Ego der Autorin, ist eines, welches voranprescht, in Beschlag nimmt, das begreifen, verstehen, verdauen will, und schließlich von Schuldgefühlen heimgesucht wird, ob der Schäden, die sein Zugreifen mitunter verursacht. "Garstiger Morgen" versammelt Gedichte und Geschichten voller Spannkraft, aus den "Transitzonen des Lebens", so der Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.08.2025

Rezensent Jörg Plath freut sich, dass die japanische Dichterin Hiromi Ito nun auch in Deutschland zu entdecken ist: Ihre Gedichte, die ihre Übersetzerin Irmela Hijiya-Kirschnereit hier in einer Anthologie zusammengestellt hat, sind kraftvoll, heftig, lassen kaum ein schwieriges Thema aus, lobt er. Schwangerschaft, Abtreibung - "Herzlichen Glückwunsch zur Ausrottung" heißt es an einer Stelle - Magersucht und der Wunsch, das eigene Kind zu töten, gepaart mit der Angst, selbst getötet zu werden, spielen eine Rolle, erfahren wir. Ito schreibt angstfrei, so Plath, direkt, elliptisch, mit einer "gierig-radikalen Subjektivität", die ihn voll und ganz überzeugt.
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