"Der Himmel benam dem Dummen wol den Verstand, aber nicht die Meinung, ihn zu haben", schreibt Jean Paul, und alt ist der Gedanke, dass es gerade die fehlende Einsicht in die eigene Beschränktheit ist, die Dummheit so gefährlich macht. Derzeit laufen viele gefährliche Idioten herum, ob als heilige Krieger oder als Präsidenten. Aber Stumpfsinn ist nicht nur das Merkmal von Personen, sondern auch von ganzen Systemen. Wo ist der blinde Fleck? Der Schwerpunkt "Idiotie" verdankt sich dem beunruhigenden Gefühl, dass wir kollektiven Idiotien aufsitzen, dass die Welt zwar permanent smarter, aber der Mensch dabei irgendwie auch dümmer, also beschränkter wird.
Wir stellen Fragen nach der Idiotie von Institutionen im Allgemeinen und der Finanzmärkte im Besonderen. Wie viel Einfalt nötig ist, um in der Politik an die Macht zu kommen und vor allem dran zu bleiben. Ob die Masse notwendig dumm sein muss, und ob die 123 Millionen Klicks für Katzenvideos auf YouTube doch einen tieferen Sinn ergeben.
Im griechischen Ursprung des Wortes ist der "idiotes" einer, der sich heraushält aus öffentlichen Geschäften, der eher am Rande der Polis steht. Blöde muss er deshalb nicht sein. Der Narr spricht wahr, und natürlich wird wespennest auch das Glück der Idiotie bedenken. Was nicht im Widerspruch dazu steht, dass Dummheit vielleicht einfach nur eine Form der Verzweiflung ist.
Eva Berger kriegt es mit der Angst, widmet sie sich der Frühsommer-Nummer des Wespennests. Was die Herausgeberinnen Andrea Roedig und Sandra Lehmann hier unternehmen, die Vermessung des Schwachsinns in Politik, Finanz, Kultur und Alltag und in der Tradition des Nachdenkens über die Dummheit, zeigt Berger zweierlei: Iditotisch sind immer die anderen. Und: Idiotie auf allen Kanälen ist leider längst zur Gewohnheit geworden. Dass sich dahinter ein bösartiger Plan zur Herrschaftsübernahme verbirgt, wagt Berger kaum zu denken. Doch sie ahnt: Genauso ist es.
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