Jürgen Wertheimer (Hg.), Peter V. Zima (Hg.)

Strategien der Verdummung

Infantilisierung in der Fun-Gesellschaft
Cover: Strategien der Verdummung
C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406459634
Paperback, 169 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Wer viel Radio hört, durch die TV-Programme zappt, den neuartigen Politzirkus miterlebt und die Deutschen im Big-Brother-Fieber verfolgt, kann auf die Idee kommen, hier sei Volksverdummung auf hohem ökonomischen und technischem Niveau angesagt. Zehn Autoren unternehmen in diesem Band mit offenen Augen Ausflüge in die Fun-Gesellschaft. Sie beobachten, "wie man gedacht wird", blicken auf das "Glück der größten Zahl", machen einen Besuch beim Titelhandel oder studieren die Dummheit als erfolgreiche Lebensform. Möglicherweise ist die Tatsache, dass Dumme von ihren Fähigkeiten ganz besonders überzeugt sind, keine bloß natürliche Gegebenheit, sondern Ausdruck der Dressierbarkeit des Menschen in der Postmoderne.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.07.2001

Die in diesem Buch thematisierte Gefahr einer "globalen Verdummung" im Zuge der Massenkultur will Mark Terkessidis ja gerne ernstnehmen, nur scheint ihm der Band alles andre als ein Mittel dagegen zu sein. Im Gegenteil, die elitäre, apodiktische Haltung der Autoren, ihre offenen Ressentiments gegen die Feldbusch-Fraktion und das Blindsein gegenüber der eigenen Mitschuld, findet der Rezensent, heizen die Misere noch an. Hätte er eine ernsthafte, von Kenntnissen der Materie getragene Analyse gelesen, hätte er sich ja vielleicht noch ein paar Gedanken dazu gemacht, so aber zieht es ihn vor die Flimmerkiste - zu seiner Lieblings-Comedyserie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.06.2001

Einschalten, um abzuschalten - dieses Phänomen des Fernsehkonsums ist nicht neu. Und die Kritik daran auch nicht, schreibt Sascha Michel. In dem vorliegenden Sammelband vermisst der Rezensent darüber hinaus - da der Gegenstand der Klage eh schon hinlänglich beleuchtet wurde - eine gesunde Portion Ironie und Selbstreflexion. Stattdessen erwarte den Leser der altbekannte Klageton einer fundamentalen Medienkritik, bedauert Michel. Abgesehen von dem Beitrag von Uwe Wirth, der einzige, dem Michel etwas abgewinnen konnte und der vermutlich unbeabsichtigt mit seiner Thematik "Komik und Dummheit" auf die Texte der Co-Autoren verweist, zeigt sich der Rezensent äußerst genervt von "Adorno-Epigonie" und dem "Alarmismus" einer unzeitgemäßen, kulturkonservativen und humorlosen Medienschelte. Es reicht nicht aus, ist Michel überzeugt, "das Dumme dumm zu nennen". Die im Band geäußerten Thesen, mutmaßt ein ernsthaft verärgerter Rezensent und zitiert Hans Magnus Enzensberger, könnten selbst "Symptom einer universellen Verblödung" sein.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.05.2001

Nach Franz Schuh ist hier eine Pflichtlektüre über die Dummheit geglückt - was seiner Ansicht nach gar nicht so einfach ist. Denn schließlich - hier bezieht sich Schuh auf Musil - setze jede Aussage über Dummheit voraus, dass man sich selber für klug hält, was wiederum ein Zeichen von Dummheit ist. Außerdem wird nach Schuhs Ansicht durch das Sprechen über die Dummheit anderer eine moralische Überlegenheit zur Schau gestellt, was Dummköpfen ein gutes Gefühl gibt, weshalb sie das auch so gerne tun - verständlich. Und bevor es vollends verschwurbelt wird, kommt Schuh auf das vorliegende Buch zu sprechen, in dem ihm vor allem der Beitrag Ottmar Ettes besonders gut gefallen hat. Dieser bewege sich auf Musils Niveau, auch wenn er sich nicht auf diesen beziehe, sondern auf Roland Barthes. Hier geht es nach Schuh um den "Anteil der Intelligenz an der Dummheit, also auch um den Profit, den eine sich beweisende Intelligenz aus der Dummheit zieht". Gerade darin liegt nach Ansicht des Rezensenten die ausgemachte Stärke des Buchs: Die Dummheit "gerade in den Intelligenzleistungen" zu sehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2001

Edo Reents findet es zwar sehr "ehrenwert", etwas gegen die Verdummung der Medien unternehmen zu wollen, doch wenn sich die Kritik in der reinen Nennung der sprachlichen Mängel und hohlen Phrasen des kritisierten Gegenstands erschöpft, überzeugt sie ihn nicht. Denn, fragt der Rezensent, kann unter diesen Umständen nicht vielleicht auch Kritik selbst verdummen? Seiner Meinung nach ist sie "als Reflex" vollkommen "wirkungslos", auch wenn ihr Ansinnen noch so lobenswert ist. Und so bemängelt Reents auch an dem Aufsatz von Zima, den er an sich als "lesenswert" lobt, dass allzu viel pauschalisiert wird.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de