"Dummheit begegnet uns in vielerlei Form - doch woran kann man sie erkennen?" Was haben so unterschiedliche Dinge wie "alternative Fakten", menschenleere Begegnungszonen in Satellitensiedlungen und Schönheits-OPs als Maturageschenk gemeinsam? Heidi Kastner wagt sich an den aufgeladenen Begriff der Dummheit und betrachtet sowohl die sogenannte messbare Intelligenz (IQ) sowie die "heilige Einfalt" und die emotionale Intelligenz, deren Fehlen immensen Schaden anrichten kann. Was treibt Menschen, die an sich rational-kognitiv nachdenken könnten, dazu, sich und andere durch "dumme" Entscheidungen ins Unglück zu stürzen? Wie ist kollektive Bereitschaft zu Ignoranz zu erklären und warum nimmt dieses Phänomen scheinbar so eklatant zu? Gibt es einen Konsens dafür, dass langfristig fatales, aber unmittelbar subjektiv vorteilhaftes Verhalten als "dumm" anzusehen ist? Sind Abwägen und Nachdenken altmodisch? Und was um Himmels Willen ist so attraktiv am Konzept des Leithammels, der uns das Denken abnimmt, oder des Influencers, der uns den einzig wahren Weg zeigt?
Rezensent Lennart Laberenz findet Heidi Kastners Buch über Dummheit zwar wichtig, hat trotz grünen Umschlags aber wenig Hoffnung auf Besserung. Denn die österreichische Psychiaterin und Neurologin leitet ihre "Eskalationstreppe" von Faktenverweigerern über Ignoranten bis hin zu Verschwörungstheoretikern zwar differenziert über die Diagnose eines verkannten Wissensmangels ein und findet eine Erklärung darin, dass kritisches Hinterfragen über ein Jahrtausend lang von Kirche und Staat unterdrückt worden sei, resümiert Laberenz. Aber die Kürze des Bands und der Tonfall, der für den Kritiker manchmal nach resigniertem Seufzen oder Achselzucken klingt, verweise auf das Problem: dass die besprochenen Schlaumeier dieses Buch eben nicht lesen werden, so Laberenz.
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