Werner Busch

Adolph Menzel

Auf der Suche nach der Wirklichkeit
Cover: Adolph Menzel
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406680908
Gebunden, 304 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

In seiner Kunst zielte Menzel (1815 -1905) ins Herz der Wirklichkeit, als Kleinwüchsiger war er jedoch von vielen Seiten des Lebens ausgeschlossen. Sein Ringen mit der Wirklichkeit war deshalb auch ein Ringen um Selbstbehauptung. Werner Buschs neue Gesamtdeutung legt die biografischen und zeithistorischen Impulse frei, die Menzels Werk, seine Wendungen und Brüche prägten. Menzels Gemälde zum Leben Friedrichs des Großen bestimmen bis heute unser Bild dieses Herrschers. Ihre moderne Perspektive verweigert die Verherrlichung und stieß auf den Widerstand des preußischen Königshauses. Doch nachdem Menzel den Grauen des Krieges auf dem Schlachtfeld ins Auge geblickt hatte, kehrte er sich von der Historienmalerei ab. In Paris entdeckte er die heldenlose Großstadt und widmete sich für den Rest seines Lebens der Gegenwart. Sein eigenständiger künstlerischer Weg und sein seismografisches Gespür für die Tendenzen der Zeit bestechen bis heute.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2016

Rezensentin Andrea Gnam meint das Werk Adolph Menzels unter der kundigen Anleitung des Kunsthistorikers Werner Busch erst so recht zu erkennen. Was Ordnung und Dramaturgie der Bilder betrifft, kann ihr der Autor die Augen öffnen, wenn er Menzels Werk von der frühen Gebrauchsgrafik bis zur Ölmalerei, stets nah am Gegenstand, sorgsam argumentierend, anschaulich und spannend, wie Gnam meint, untersucht. Bei der "recht platten" Feststellung, dass des kleinwüchsigen Menzels Antrieb das Standhalten gewesen sei, muss Gnam dem Autor ja nicht unbedingt beipflichten. Lieber hält sie sich an Buschs gelungene Bildbeschreibungen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.12.2015

Mutig findet Barbara Möller die pünktlich zum 200. Geburtstag Adolf Menzels erscheinende neue Menzel-Monografie des Kunsthistorikers Werner Busch. Dass Busch das Movens des getriebenen und höchst talentierten Malers Menzel in dessen Kleinwüchsigkeit sucht, scheint ihr ungewöhnlich, wenn nicht indiskret. Ob es ergiebig ist, verschweigt sie dem Leser zwar. Zum neuen Standardwerk scheint ihr der Band aber schon zu taugen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2015

Fasziniert hat Rezensentin Christine Tauber Werner Buschs Monografie über Adolph Menzel gelesen, die zahlreiche grandiose Einzelbildanalysen bietet. Hymnisch bespricht sie die glasklaren Beschreibungen, in denen der Autor seinen exzellenten Spürsinn für Details und Rekonstruktion der Kontexte mit einer grandiosen Deutungslust zu verbinden weiß. Ob Buschs Untersuchung der "Hinterhofszenen", in der sie einiges über Menzels Selbstverortung liest, oder die Analyse des "Balkonszimmers", in dem anhand von Blicklenkungen der Sehprozess thematisiert wird, wie der Autor nachweist: die Kritikerin ist zutiefst beeindruckt. Zugleich lobt sie Buschs Betrachtungen zu Menzels ästhetischen Entscheidungen, die der Autor aus dem künstlerischen Handeln des Malers ableitet. Nicht zuletzt die Kapitel über Menzels Paris-Erfahrungen hat Tauber mit Gewinn gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.10.2015

Für den Rezensenten Florian Illies ist Werner Buschs Monografie über den Maler Adolph Menzel das wohl "wichtigste kunsthistorische Buch" der Saison. Der Rezensent ist begeistert, dass Busch sich Menzel als methodischer Analytiker wie auch als einfühlsamer Beobachter nähert. Einerseits gelingt es ihm so, den Realismus vieler Gemälde als Konstruktion zu enttarnen, so Illies, andererseits könne er sich eindrucksvoll in die Psychologie des nur Ein-Meter-Vierzig großen Künstlers einfühlen, den die Perspektive - Blick von oben auf die Ereignisse, oder von unten oder von allen Seiten zugleich - zeitlebens herausgefordert hat, erklärt der Rezensent. Wer so schreibt, muss wirklich "knietief im Stoff" stehen, lobt Illies.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2015

In einer umfangreichen Besprechung lobt Eduard Beaucamp die Adolph-Menzel-Monografie des Berliner Emeritus Werner Busch. Dem Kunsthistoriker sei es gelungen, die unfassbaren Ambivalenzen in Menzels Werk gleichberechtigt zu behandeln, keine Hierarchisierung zwischen gelungenem Früh- und reaktionärem Spätwerk einzuführen, wie es andere vor ihm getan haben, erklärt der Rezensent. Bis ins kleinste Detail, Briefköpfe und früheste grafische Versuche etwa, beschreibt Busch das Dilemma eines Künstlers, der in Zeichnung und Malerei zwei unterschiedliche Zugänge zu einer fragmentierten, chaotischen Welt für sich erschloss, so Beaucamp. Einzig die Nachfolge Menzels verortet der Rezensent anderswo. Während Busch im Vorwort Walter de Marian und Harald Szeemann bemühe, erinnert Beaucamp an Johannes Grützke und Bernhard Heisig.
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