Voltaire

Gegen den Herrschaftsanspruch der Religionen

Die fünf Katechismen
Cover: Gegen den Herrschaftsanspruch der Religionen
Verlag Das kulturelle Gedächtnis, Berlin 2021
ISBN 9783946990567
Gebunden, 144 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Vorwort von Tobias Roth. Welche Rolle soll und kann die Religion im gesellschaftlichen Leben spielen? Wo sind ihre Grenzen, was lässt sich beweisen, was ist menschgemachtes, manipulatives Märchen? Der französische Philosoph Voltaire (1694-1778) schrieb unnachgiebig für religiöse Toleranz, aber auch unerbittlich gegen die Religion und ihren Herrschaftsanspruch. Endlich versammelt nun ein Band alle fünf Katechismen Voltaires, in denen er das Thema der Religion auf Erden auslotet - zwei von ihnen erstmals in deutscher Übersetzung. Die Gattung Katechismus, in der die Glaubensinhalte einer Konfession in Frage und Antwort fixiert sind, wird von Voltaire völlig auf den Kopf gestellt. In den prägnanten Dialogen zeigt sich Voltaires Ausnahmetalent, scharfe Kritik und schwere Grundsatzfragen unterhaltsam zu erzählen, pointenreich, voller Ironie. Die Gespräche spielen im alten China, in Aleppo oder Japan, die Figuren sind skeptische Prinzen, angehende Pfarrer oder weltweise Gärtner. Voltaire spricht sich vehement gegen religiösen Fanatismus und Parteienhass, gegen Verfolgung von Andersdenkenden, gegen klerikalen Machtmissbrauch und Aberglauben aus. Aber er meißelt in den fünf Katechismen seine Religionskritik nicht in Stein, sondern öffnet durch Witz und Lebendigkeit Raum für eigenes Nachdenken, das sich von Autoritäten löst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2021

Rezensent Friedrich Vollhardt liest aus den hier versammelten fünf Katechismen Voltaires in neuer Übersetzung von Tobias Roth einen nicht zu unterschätzenden Diskussionsstand zu Voltaires Zeiten in Sachen Toleranz heraus. Voltaires parodistischer Zugang zu geistlicher Unterweisung und seine Seitenblicke auf China, Indien und die Türkei machen für Vollhardt die Kritik des Autors an der europäischen Verbindung zwischen religiöser Indoktrination und Macht bzw. Fanatismus besonders deutlich. Allerdings erkennt der Rezensent auch die Schwächen von Voltaires Aufklärung. Anders als etwa Lessing gesteht er anderen Positionen keinen Wahrheitsanspruch zu, so Vollhardt.

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