Richard Dawkins

Der Gotteswahn

Cover: Der Gotteswahn
Ullstein Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783550086885
Gebunden, 575 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat nach "Das egoistische Gen" erneut ein Buch geschrieben, das bestehende Weltbilder grundsätzlich in Frage stellt. In diesem leidenschaftlichen Plädoyer für die Vernunft zieht er gegen die Religion zu Felde: Der Glaube an eine übernatürliche Macht kann keine Grundlage für das Verständnis der Welt sein und schon gar keine Erklärung für ihre Entstehung. Wenn wir die Kritik an den Religionen zum Tabu erklären, laufen wir Gefahr, von Fundamentalisten jedweder Couleur dominiert zu werden. Der Glaube an ein göttliches Wesen ist vielfach die Ursache von Terror und Zerstörung, wie die Weltgeschichte von der Inquisition bis zu den Anschlägen auf die Twin Towers zeigt. Ein wichtiges Buch, das zu einem brennend aktuellen Thema eindeutig und überzeugend Position bezieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.10.2007

Nicht ganz überzeugt zeigt sich Rezensent Christian Schlüter in seiner Doppelbesprechung zweier neuer Atheismusschriften von Richard Dawkins Plädoyer für ein szientistisches Weltbild. Er hält dem Autor zwar die unterhaltsame Weise zugute, mit der dieser versucht, die Unwahrscheinlichkeit Gottes zu verdeutlichen: Schon die Entstehung von Leben auf der Erde, so der Autor, sei nicht wahrscheinlicher gewesen, als "dass ein Wirbelsturm, der über einen Schrottplatz fegt, rein zufällig eine Boeing 747 zusammenbaut" - und die Existenz Gottes als "höchste Form der Boeing 747" sei deshalb noch viel abwegiger. Richard Dawkins argumentiere insgesamt cleverer als sein Kollege Christopher Hitchens in "Der Herr ist kein Hirte", der den Pakt der Kirche mit dem Bösen gegen die Religion ins Feld zu führen versucht. Doch dass der Autor als Angehöriger der naturalistischen, an Darwin orientierten Bright-Bewegung das Religiöse für ganz unsinnig hält, kann der Rezensent nicht nachvollziehen: Denn seiner Ansicht nach "verfügen ausgerechnet theologische Sprachspiele über ein differenziertes Vokabular für die mit jeder menschlichen Existenz uneinholbar verbundenen Unschärfen, Mehrdeutigkeiten und Eigensinnigkeiten."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Uwe Justus Wenzel hat sich mit wachsender Ungeduld durch die "geschwätzigen" 550 Seiten von Richard Dawkins' "Der Gotteswahn" geackert. In einer vergleichenden Besprechung von Dawkins Polemik, Christopher Hitchens' "Der Herr ist kein Hirte" und Sam Harris' "Das Ende des Glaubens" kommt letzterer noch am besten weg, und zwar weil er der Menschheit wenigstens das Bedürfnis nach spirituellen Erfahrungen zugesteht. Dawkins hingegen unterschlage nicht nur dies, sondern vor allem die Tatsache, dass die Religion mit der Theologie ja schon längst eine wissenschaftliche Bearbeitung und hermeneutische Deutung erfährt. Damit läuft für Wenzel ein Großteil dieser "rabiaten" Kritik ins Leere. Allerdings sieht er die Schuld für die derzeitige Schwemme an grob gestrickten antireligiösen Polemiken nicht nur bei deren Urhebern. Wenzel bittet deshalb alle Gläubigen, etwas gelassener mit Kritik umzugehen. Dann könnte diese wiederum gelassener und "intelligenter" daherkommen als es im Augenblick mehrheitlich der Fall ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

Gelegentliche Zweifel an den gerühmten Standards der angelsächsischen Wissenschaftskultur hat Richard Dawkins' neues Buch bei Rezensent Thomas Assheuer hervorgerufen. Zum Beispiel mit der These, dass, wäre Jesus vor zwanzig Jahren hingerichtet worden, seine Anhänger jetzt elektrische Stühle um den Hals trügen. Aber auch sonst beschlich den Rezensenten bei der Lektüre immer wieder das "frivole Gefühl, einem Schauprozess beizuwohnen". Dabei hätte der britische Evolutionsbiologe aus Sicht des Rezensenten eigentlich nur die Wiederkehr der Religionen als politisches Phänomen beschreiben müssen. Doch für dessen Symptome sei er weitgehend taub und trete stattdessen alle Religionen als "kriminelle Fehlformen der Evolution" in die Tonne, womit er aus Assheuers Sicht wenig Sachdienliches zum Thema beizutragen hat. Einziges Lektüreglück für den ansonsten schwer geprüften Rezensenten: dass Dawkins wenigstens an die "Götter der Rhetorik" glaubt, was seinem Buch "bisweilen zu einem frechen Witz", zu "göttlicher Blasphemie und viel Schmiss" verhilft. Manchmal fällt Assheuer zufolge bei dieser Art "Rabiataufklärung" sogar ein Körnchen Wahrheit ab. Im Übrigen wird er jedoch den Verdacht nicht los, dass hier einer letztlich die Götter nur loswerden will, um in Genforschung und Evolutionsbiologie endlich selbst Gott spielen zu können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2007

Kein gutes Haar lässt der hier rezensierende Theologe Friedrich Wilhelm Graf an dieser heftigen Attacke gegen Religion und Gottesglauben, die Richard Dawkins unternommen hat. Er bezeichnet ihn als "biologistischen Hassprediger" und tadelt seine platte Selbstinszenierung als Provokateur und seine "eitlen Posen". In der Sache kann ihn Dawkins nirgendwo überzeugen. Akribisch nimmt er dessen großspuriges Vorhaben einer naturalistisch-biologistisch-evolutionstheoretischen Erklärung von Kultur, Religion und Gotteshypothese auseinander. Besonders krude mutet ihn dabei Dawkins Theorie der Meme an. Auch sonst greift er einzelne Punkte heraus, etwa die Behauptung, selbst die Vernichtungsexzesse des Nationlasozialismus und Stalinismus gingen aufs Konto der Religion, und widerlegt sie. Sauer stößt ihm auch die Unkenntnis des Autors in philosophischer Hinsicht. Dessen Kritik an den abendländisch-metaphysischen Gottesbeweisen bleibt in seinen Augen daher auch weit hinter dem Reflexionsniveau eines Hume oder eines Kant zurück, die er fälschlicherweise für harte Atheisten halte. Zudem hält er Dawkins vor, weder von Klassikern der Kultur- und Religionswissenschaften noch von aktuellen Diskussionen eine Ahnung zu haben, aber vorzugeben, genau zu wissen, wie Kultur und Religion funktioniere.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2007

Etwas zu grob gestrickt findet Rezensent Helmut Mayer diese Abrechnung mit Gottesglauben und Religion von Richard Dawkins. Besonders interessant scheint ihm das Buch nicht, jedenfalls hat er Religionskritik auch schon mal in anregenderer Form gelesen. Von Religion bleibe bei Dawkins nichts übrig außer einem Sündenregister und der Gotteshypothese, die schnell erledigt werde. Ganz klar ist Mayer da allerdings nicht, warum der Autor seine Einsichten dann auf 580 Seiten auswalzen muss, kümmert er sich doch nicht weiter um eine differenzierte Betrachtung der Unterschiede zwischen den Religionen und ihren historischen Entfaltungen. Wenig anfangen kann Mayer mit dem krud-naturalistischen Weltbild des Autors, das die Grundlage dieses "atheistischen Manifests" bildet. Etwas unangenehm berührt hat ihn jedoch die Mischung aus "pennälerhaft anmutender Rechthaberei" und "erzengelgleichem Furor", in der Dawkins das "Schwert des Naturalismus" schwingt.
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