Volker Braun

Die hellen Haufen

Erzählungen
Cover: Die hellen Haufen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518422397
Gebunden, 96 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Am 1. Mai 1992 demonstrieren 4000 streikende Arbeiter an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und errichten einen Zaun mit der Aufschrift: "Kein Kolonialgebiet". Der Protest nimmt immer größere Dimensionen an, man marschiert gen Berlin, debattiert die Belagerung von Erfurt, kurz: es kommt zum großen Arbeiterkrieg. Zwar streift ein Heerhaufen Entlassener und Arbeitsloser durch Mitteldeutschland, dass sie aber nicht kämpfen ist der bittere, süße Faden der Erzählung. Sie sammeln sich auf einem Schlackeberg, dem Schutt ihrer Existenz, die nicht zu verteidigen ist, eines Besitzes, den sie nicht besessen haben, eines Lebens, für das man das seine nicht in die Schanze schlägt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2011

Dies ist ein Was-hätte-sein-können-Buch, meint Rezensentin Angelika Overath. Volker Braun erzählt hier von einem Hungerstreik von Bergleuten 1993 im thüringischen Bischofferode, der in der Realität scheiterte: das Bergwerk wurde geschlossen. Nicht für Braun, so die Rezensentin. Seine Bergarbeiter marschieren nach Berlin, Hunderttausende schließen sich an, bis der Aufstand blutig niedergeschlagen wird. In die Geschichte eingewoben sind Figuren des Bauernaufstandes im 16. Jahrhundert (Thomas Müntzer) und der Arbeiterbewegung der 1920er Jahre, lesen wir. Das Ergebnis ist eine "spannende" Geschichte, die Overath geradezu romantisch findet in ihrem "bitter-schönen Abgesang auf Zeiten klarer Kampfzonen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2011

Sabine Brandt tut sich schwer mit Volker Brauns jüngster Erzählung, die den Aufstand der Arbeiter in den ostdeutschen Salz- und Kohlegruben nach der Wende imaginiert und dafür in der Geschichte der Revolten bis ins 16. Jahrhundert zurückgreift. Nicht nur hat sie ihre liebe "Mühe" mit dem Gemisch deutscher Geschichte, mit dem die Leser hier konfrontiert sind. Es stört sie außerdem enorm, dass sie sich mit so vielen Personen auseinandersetzen muss, denen der Autor dann doch kaum Kontur verleiht, wie sie beklagt. Wer sich nicht von Anfang an Notizen macht, wird Schwierigkeiten haben, warnt sie. Und so will Brandt ihm zwar nicht das Recht auf eine eigene Meinung absprechen - Braun hält am Traum einer sozialistischen Gesellschaft fest und sieht in der Bundesrepublik die Gegnerin dieses Traum. Dieser im Prophetenton der "politischen Weisheiten" vorgetragenen Erzählung ist sie aber nicht bereit, "Hirn und Herz" zu öffnen, wie sie deutlich macht.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…