"Die Heimreise" ist die Hommage des Autors an seine Mutter, eine kämpferische Frau mit unverwüstlichem Humor, und zugleich eine gnadenlose Satire auf die Absurdität der sowjetischen Diktatur in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Lina, eine junge Studentin aus Leningrad, die der Mutter des Autors nachempfunden ist, leistet im Sommer ihren verpflichtenden Arbeitsdienst im fernen Kasachstan, als sie eine Nachricht von zu Hause erreicht. "Vater schwer krank! Komm rasch!" Mit Hartnäckigkeit, Verzweiflung und wechselnden Weggefährtinnen wird Lina ihre Reise durch das sowjetische Riesenreich antreten, das von absurden Regelungen und willkürlicher Polizeigewalt beherrscht wird. Wird sie rechtzeitig nach Hause kommen, um ihren Vater noch lebend zu sehen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2024
Vladimir Vertlib hat bei diesem Roman Anleihen an der Geschichte seiner Mutter genommen, weiß Rezensentin Tina Hartmann: Die Protagonistin Lina muss sich "durch viertausend Kilometer sowjetischen Wahnsinn" durchschlagen, um zu ihrem sterbenden Vater zu kommen. Reisende in der Literatur sind meist eher Männer wie Goethes Wilhelm Meister, so Hartmann, an den eine Theatertruppe erinnert, der Lina auf einer Reise voller Gewalt und Irrwege begegnet. Die Geschichte spielt 1956, erfahren wir, drei Jahre nach Stalins Tod versinkt die Sowjetunion im Chaos, die Protagonistin ist als jüdische Frau doppelt ausgeschlossen und zeigt - auch mit ihrer Freundschaft zu Greta, die Tochter einer deportierten Deutschen und eines russischen Kommandeurs - der gebannten Kritikerin, wie es war für Frauen in der Sowjetunion.
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