Die Beschützerin
Roman

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783103975215
Gebunden, 256 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Russischen von Franziska Zwerg. Juli 2014: Trümmer und Leichenteile fallen nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs MH-17 auf die ukrainische Landschaft des Donbass. Genau hier, unter der Erde, liegen Tausende Juden, die im Zweiten Weltkrieg ermordet und in Bergwerksstollen geworfen wurden. Und genau hier, zwischen all der Gewalt, lebt die junge Studentin Zhanna bei ihrer Mutter Marianna, der "Beschützerin", die dreißig Jahre lang Leiterin der Wäscherei war.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 09.10.2025
Sergej Lebedew lebt im deutschen Exil, weil seine Bücher in Russland für zu viel Aufruhr gesorgt haben, auch dieses hier widmet sich den "Tiefenschichten historischen Grauens", weiß Rezensent Wolfgang Schneider. Im Zentrum steht der Donbass, über dem 2014 das Passagierflugzeug MH-17 abgeschossen wird - eine Gegend, die getränkt ist von Blut und Verbrechen der Vergangenheit; ein alter Bergbauschacht dient als Massengrab für die Opfer der verschiedensten Regime, ein "Perpetuum Mobile des Grauens", meint Schneider. Der Roman wird von wechselnden Figuren erzählt, zwei Wäscherinnen, die sich gegen den Schmutz in mehrfachem Sinne wenden, ein Nachbar, der Vergewaltigungsfantasien hege, ein früherer General, der das Geschehene vertuschen soll, aber auch ein Toter, der die Geschichte des Schachts erzählt. "Beklemmend realistisch" schildert Lebedew Handlungen, die immer wieder auch ins schrecklich Fantastische rutschen und wendet sich mit aller Kraft gegen das Vergessen, was den Kritiker sehr beeindruckt und ihn manche metaphorische Überfrachtung verzeihen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2025
Der in Potsdam lebende russische Autor Sergej Lebedew widmet sich als Geologe oft Themen unterhalb der Erdoberfläche, hier allerdings dem Abschuss des Fluges MH17 2014 in der Ostukraine, der noch ganz andere Verbrechen offenbart, verrät Rezensentin Ilma Rakusa. In einem "beängstigenden Tableau der Gewalt" schreibt Lebedew von einer Bergbausiedlung, von der aus die Rakete abgeschossen wurde und wo sich ein stillgelegter Schacht befindet, in dem Opfer der Revolution, des Bürger- und des Weltkriegs und des Holocausts "mit Schweigen zugedeckt" sind. Erzählt wird die Handlung von einer Art Geist, der all diese Geschehnisse überblicken kann, so Rakusa, die Unglücksfälle im Bergwerk, von denen jeder dort Lebende betroffen ist, so auch die junge Shanna, die ihren Vater dadurch verloren hat, ihre Mutter stirbt an Krebs, ihr Verehrer Valet ist derjenige, der die Rakete in Abschussposition bringt. Schließlich tritt noch ein General auf, der bereits Verbrechen aus den Tschetschenienkriegen begangen hat. Für die Kritikerin ist dieses Buch eine "bildmächtige Parabel von Russlands gewalttätiger Geschichte - und Gegenwart".