Vladimir Jankelevitch

Satie und der Morgen

Cover: Satie und der Morgen
Matthes und Seitz, Berlin 2015
ISBN 9783882216707
Kartoniert, 157 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Richard Schroetter. Musik spielt in Vladimir Jankélévitchs OEuvre nicht nur in ästhetischer, sondern auch in philosophischer Hinsicht eine entscheidende Rolle. Sie ist der Ausgangspunkt vieler seiner Überlegungen und Betrachtungen zu Fragen der Metaphysik und Ethik, weil allein sie dem 'Unaussprechlichen' Ausdruck verleiht und das Leben, obwohl sie 'nichts auszudrücken scheint', paradoxerweise mit Sinn erfüllt - gerade dort, wo sie als Klangbild an seine Grenzen erinnert. Das Endliche wird durch sie ins Unendliche transzendiert. Ein halbes Jahrhundert vor Peter Sloterdijk, der Musik als ein 'Zur-Welt-Kommen oder ein Die-Welt-Fliehen' definiert, hat Jankélévitch den Geist der Musik, Anfang und Ende, Geburt und Tod, das Auf und Ab des Ertönten sensibel studiert.
"Satie und der Morgen" gehört in eine Reihe von Essays über Komponisten, die Jankélévitch den Tageszeiten zugeordnet hat. Satie, der seine Werke selbst ironisch als 'gothisch' bezeichnete, ist laut Jankélévitch eine Künstlererscheinung des Morgens: ob 'Gymnopédies' oder 'Gnossiennes', ob 'Danse gothiques' oder 'Pièces froides', ob 'Rag-Time' oder 'Messe des Pauvres', in den unzeitgemäßen Rêverien des einsamen 'Klavierspielers vom Montmatre' vernimmt Jankélévitch die Unschuld des Erwachens, eine 'Scham des Gefühls', auch eine ironische Absage an das Profane. 1957 in Paris erschienen, ist dieser erhellende Text zum ersten Mal nun auf Deutsch zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015

Lorenz Jäger bespricht in einer Doppelkritik zwei musikalische Reflexionen französischer Denker, Michel Serres Bändchen "Musik" und Vladimir Jankélévitchs "Satie und der Morgen". Jankélévitch ist für ihn der Antideutsche unter den beiden, der Erik Satie als zart ironischen, ja nüchternen Kontrast zu den deutschen Dyonisikern Wagner und Richard Strauss aufbaue. Natürlich, so Jäger, spielt darin der Hintergrund des Holocaust eine Rolle. Jankélévitch sei einer der wenigen Denker, die den Deutschen eine Kollektivschuld am Geschehen geben. Musikalisch aber sei der Band ein Riesengewinn, besonders weil Jankélévitch, ein versierter Pianist, seine Analysen Saties mit wirklicher Kenntnis der musikalischen Faktur unterlege.

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