Aus dem Tschechischen von Viktoria Funk-Nesic und Urs Heftrich. Der sechste Band von Vladimir Holans "Gesammelten Werken" enthält drei Gedichtbände, die in der düstersten Phase des tschechoslowakischen Stalinismus entstanden und aus politischen Gründen nicht vor 1964 gedruckt werden konnten: Wein, Angst und Schmerz. Ein Jahr nach der Machtergreifung der Kommunisten im Februar 1948 wurde Holan aufgrund einer Denunziation aus dem literarischen Leben der Öffentlichkeit verbannt. In der von ihm selbst so bezeichneten Zeit des Schweigens schuf er nicht nur das Poem "Nacht mit Hamlet", das ihm zu Weltruhm verhalf; er führte auch ein lyrisches Tagebuch. Zwischen 1949 und 1955 entstanden so 215 Gedichte, die Holan unter dem Titel "Schmerz" zusammenfasste; außerdem der unvollendet gebliebene Zyklus "Angst" und das Fragment "Wein", das die anakreontische Tradition mit den Mitteln der modernen Lyrik wiederbelebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2010
Rezensent Hans-Peter Riese freut sich ungemein, dass dem tschechischen Dichter Vladimir Holan mit der zweisprachigen Gesamtausgabe, deren sechsten, aus drei fragmentarischen Gedichtsammlungen Holans zusammengesetzten Band er uns annonciert, bei uns ein Denkmal gesetzt wird. Dem zu Lebzeiten mit Publikationsverbot bestraften Dichter und seinem vielschichtigen Werk wird, so findet Riese, dadurch etwas an Wiedergutmachung zuteil. Allerdings freut sich Riese auch riesig über die Kunst Holans, die hiermit auf Deutsch zugänglich und kenntnisreich kommentiert wird, wie er anmerkt. Diese Kunst beschreibt er uns als existentiell, schwermütig und grundiert von Schmerz, weniger von Politik. Daran, dass Holans Texte in den Kontext europäischer Lyrik des 20. Jahrhunderts gehören, hegt Riese keinen Zweifel. Allen ihm bekannten Bedenken ihre literarische Qualität betreffend zum Trotz.
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