Stefan Karner (Hg.)

Prager Frühling - Das internationale Krisenjahr 1968

2 Bände: Beiträge und Dokumente
Cover: Prager Frühling - Das internationale Krisenjahr 1968
Böhlau Verlag, Köln 2008
ISBN 9783412202316
Gebunden, 2885 Seiten, 84,90 EUR

Klappentext

Mitherausgegeben von Natalja Georgievna Tomilina, Alexander Tschubarjan und anderen. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 marschierten Truppen der Warschauer Pakt-Staaten - der UdSSR, Polens, der DDR, Ungarns und Bulgariens - in die CSSR ein. Sie beendeten damit gewaltsam die Reformbewegung des tschechoslowakischen KP-Chefs Alexander Dubcek, der sich für einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" eingesetzt hatte. Das Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung in Graz und das Staatsarchiv für Zeitgeschichte der Russischen Föderation haben nun in einem großen Forschungsprojekt, an dem 70 Forscher aus Europa und den USA beteiligt waren, die Geschichte der Niederschlagung des "Prager Frühlings" und seiner internationalen Konsequenzen nachgezeichnet. Die Ergebnisse werden hier in einem umfangreichen zweibändigen Werk präsentiert. Der erste Band enthält die Beiträge der Forscher; der Dokumentenband umfasst die wichtigsten Beschlüsse des Politbüros ZK der KPdSU und sonstige Entscheidungen der sowjetischen Staatsspitze bzw. der Warschauer-Pakt-Staaten. Bislang unter Verschluss gehaltene Dokumente aus dem Archiv des ehemaligen ZK der KpdSU, der Schaltstelle für alle Entscheidungen, werden hier im Originaltext und in Übersetzung vorgelegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2008

Nach fünf Jahren Arbeit von 80 Historikern und Zeitzeugen ist dieses insgesamt 3000 Seiten umfassende Kompendium zur Geschichte des Prager Frühlings passend zum vierzigsten Jahrestag nun abgeschlossen. Erstaunlich viele Archive gewährten Einblicke, berichtet der Rezensent Bruno Thoss. Der zweite Band enhält die Dokumente, und zwar in Russisch und Deutsch, teils auch in Englisch. Der von dem Unternehmen gesteckte Rahmen ist "außerordentlich breit", so Thoss, aber das ist auch gut so. "Sehr differenziert" wird man nämlich so informiert über die Geschehnisse dieses Schicksalsjahrs. Es gibt Einblicke in Motivationen sowohl des sowjetischen Politbüros wie auch in die (beträchtliche) Einflussnahme der Bruderparteien wie das womöglich nicht immer geschickte Verhalten der US-Regierung. Der Rezensent kann die Bände für alle ernsthaft am Thema Interessierten offenkundig nur dringend empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.08.2008

Beeindruckt zeigt sich Arno Widmann von dieser zweibändigen Dokumentation zum Prager Frühling und seiner Niederwerfung. Er würdigt das Werk als "Mammutprojekt", das als Ergebnis einer Zusammenarbeit österreichischer, tschechischer, russischer, amerikanischer und deutscher Stellen in dieser Form eine Ausnahme war und wohl auch bleiben wird. Kein Abschnitt der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts scheint ihm - blockübergreifend - ähnlich intensiv und extensiv bearbeitet worden zu sein. Bietet der erste Band Widmann zufolge Beiträge von über 70 Autoren zu sämtlichen Aspekten des Prager Frühlings, der Rolle der Sowjetunion, der DDR, der BRD, der westlichen Geheimdienste usw., bringt der zweite Band auf 1589 Seiten Zeitdokumente aus dem Zeitraum vom 1. Februar 1968 bis zum 4. Juni 1971. Sein Fazit: ein monumentale Werk, das einen umfassenden "Rückblick auf eine Illusion" - die Hoffnung auf einen Sozialismus mit menschlichen Antlitz - ermöglicht.