Herausgegeben von Gerhard Wittenberger und Christfried Tögel. Freuds treueste Schüler und Anhänger hatten im Jahre 1912 ein "Geheimes Komitee" gegründet, das die Sache der Psychoanalyse gegen alle äußeren Fährnisse verteidigen sollte. Diese Gruppe von sieben Personen - Sigmund Freud, Otto Rank, Karl Abraham, Hanns Sachs, Max Eitingon, Sandor Ferenczi und Ernest Jones - korrespondierte über viele Jahre intensiv miteinander. In diesen Rundbriefen geht es unter anderem um Kongresse und Komiteesitzungen, Übersetzungen von Freuds Schriften, Finanzfragen, die Redaktionspolitik der Zeitschriften, Buchbesprechungen, Ausbildungsfragen, Personalpolitik, Ereignisse in den örtlichen Zweigvereinigungen und hin und wieder auch um Persönliches. Doch durch die Erörterung dieser Themen scheinen immer wieder Konflikte und Spannungen hindurch, die aus einer Geschäftskorrespondenz - die die Rundbriefe vordergründig darstellen -, Dokumente zur inneren Dynamik einer Gruppe von Männern machen, von denen sich jeder mehr oder weniger Hoffnung machte, als Nachfolger Freuds auserkoren zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2004
Recht angetan zeigt sich der "LL." zeichnende Rezensent von diesem Band, der die Korrespondenz des "Geheimen Komitees", jenes innersten Zirkels von Psychoanalytikern um Sigmund Freud, aus dem Jahr 1922 zusammenstellt. Wie der Rezensent berichtet, geben die "Rundbriefe", die durch einen "detaillierten" Kommentar der Herausgeber erschlossen sind, einen "weiteren drastischen Einblick" in die geheime Geschichte dieser Organisation und zeigen, wie die Psychoanalyse bei internen Querelen und Konkurrenzkämpfen als "Werkzeug der Polemik" missbraucht wurde. Das ist bisweilen "unerquicklich", aber die Lektüre lohnt sich für den Rezensenten schon aus historischen und prinzipiellen institutionenkritischen Gründen.
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