Klappentext

Übersetzt von Dagmar Ploetz-Timm. Eine junge Frau lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einem Haus in Mexiko City und schreibt an einem Roman. Sie verlässt das Haus nicht, sie kann es aber auch nicht richtig bewohnen. So beginnt sie zu erzählen. Von ihrem Mann, von ihren Kindern, von ihrer Vergangenheit. Wie sie als junge Lektorin in New York verzweifelt versucht hat, den Verleger davon zu überzeugen, das Werk von Gilberto Owen zu publizieren, diesem obskuren mexikanischen Dichter, der in den zwanziger Jahren in Harlem lebte und mit Federico Garcia Lorca befreundet war. Seine geisterhafte Gegenwart hat sie verfolgt und verfolgt sie immer noch... Sie erzählt und schreibt, und dabei gerät ihr Leben aus der Bahn, und in ihr Schreiben wächst eine andere Erzählstimme, die von Owen. Nun ist er es, der sein Leben Revue passieren lässt, komisch und melancholisch, auch er wird verfolgt von einer geisterhaften Erscheinung, einer jungen Frau... Das eine Leben erscheint im anderen wie in einem Zerrspiegel, und doch ist es ein Fluss, eine Stimme, die von Liebe und Verlust erzählt und erkundet, wer wir sind...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2013

Wie auf Wolken fühlt sich Florian Borchmeyer mit diesem Debütroman von Valeria Luiselli. Schwerelos erscheint dem Rezensenten Luisellis Geschichte gegen das literarische Vergessen, die den fast vergessenen mexikanischen Dichter Gilberto Owen wieder zum Leben erweckt und diese innerliterarische Fiktion nach Art Bolaños, wie Borchmeyer erklärt, ziemlich weit treibt. So weit, dass der Rezensent, aber auch die ihre Bohème-Zeit in New York rekapitulierende Erzählerin am Ende nicht mehr wissen, wer hier eigentlich erzählt und wer fiktiv ist und wer nicht. Die in dem laut Borchmeyer eher schweigsamen Roman angelegte Reflexion des Schreibens a la Pitol erreicht den Leser zum Glück ohne die übliche postmoderne arrogante Autorenreflexivität und, so Borchmeyer sichtlich erleichtert, eher getragen von der Idee, sich einer Andersheit zu öffnen, die schwerelos macht.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.06.2013

Felix Stephan lässt sich nicht irre machen von diesem verspielten Debütroman der mexikanischen Autorin Valeria Luiselli. Die Erzähl- und Zeitebenen zu ordnen und die Erzählerin von einer zweiten Erzählerstimme zu scheiden, gibt der Rezensent bald auf. Doch nicht resignierend, sondern indem er sich scheinbar erleichtert ganz der pointenlosen Ruhelosigkeit des Romans überlässt, die er als absolute Literatur bezeichnet. Weil das Buch auf Stephan nie beladen wirkt, sondern unterhaltsam und witzig, tragisch und sensibel zugleich, ist seine Besprechung eine klare Lektüreempfehlung.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2013

Frenetischer Jubel bei Andreas Breitenstein: Völlig zu Recht wird die Autorin dieses in Form eines fragmentartigen Tagebuchs verfassten und im übrigen, wie der Rezensent anmerkt, hervorragend übersetzten Debütromans bereits als neue Hoffnung der südamerikanischen Literatur gefeiert. So auch bei Breitenstein, der über Luiselli wahre Kaskaden des Lobs ausschüttet: Bei ihr durchdringen sich Leben und Kunst so vielfältig und auf gänzlich unterschiedlichen Ebenen, dass es für den Rezensenten ein Genuss ist. Dann wiederum beobachtet er erlesene Einflüsse der Avantgarde Mexikos, Anflüge des Surrealismus sowie eine Lakonie im Stil und einen Ausblick auf das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die ihm von Juan Rulfo entlehnt scheinen. In der Komposition des Werks sieht er eine "leichthändige Komplexität" am Werke, die Wahrheit, Schein und Kunst nicht mehr voneinander trennbar erscheinen lässt und den Rezensent rundum beglückt: In Sanftheit und Eleganz sieht er selbst Roberto Bolaño übertroffen, während sie in Klugheit und Witz dem großen Schriftsteller in nichts nachsteht. Kurz: Den Namen Valeria Luiselli wird man sich unbedingt merken müssen.