Juan Rulfo

Wind in den Bergen

Liebesbriefe an Clara
Cover: Wind in den Bergen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518413692
Gebunden, 322 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Susanne Lange. Mit 18 Fotografien. "Wind in den Bergen", so nennt der junge Schriftsteller Juan Rulfo das 16jährige Mädchen, in das er sich mit der Hoffnung und Heftigkeit des einsamen Wanderers verliebt, der endlich das Ziel gefunden hat. Doch ein Stück Weg muß er noch gehen: drei Jahre Wartezeit verlangt sie von ihm. Seine Briefe aus den Jahren 1944 bis 1950 - verzweifelt werbend, spielerisch, zärtlich - sind zugleich die lebendigste Biografie dieses scheuen Autors. So überschwenglich spielerisch sein Ton meistens ist, es melden sich früh die materiellen Sorgen. Spricht er davon, nennt er seine Briefe scherzhaft "Geschäftsbriefe", doch gerade sie sind farbige Zeugnisse des Lebens in Mexiko-Stadt, der Literaten- und Künstlerkreise, des Existenzkampfs: das Ambiente, in dem Rulfos große Prosawerke entstehen, bevor er als Autor so überraschend verstummen sollte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2003

Ein "Wunder" nennt Uwe Stolzmann den Briefband "Wind in den Bergen" des mexikanischen Dichters Juan Rulfo, den er als eine "Ausnahmeerscheinung" charakterisiert. Nachdem Rulfo mit "zwei Handvoll Texten" zur Legende geworden war und dreißig Jahre lang, bis zu seinem Tod, geschwiegen hatte, bricht er zur Freude Stolzmanns in den "Liebesbriefen an Clara" - Briefen die er zwischen 1944 bis 1950 an seine elf Jahre jüngere Braut Clara Aparicio geschrieben hatte - sein Schweigen. Sichtbar wird ein anderer Rulfo. Als "gesprächig, offenherzig, humorvoll sogar" charakterisiert ihn Stolzmann, als einen "Mann im Aufbruch", als "Männchen auf der Balz". Seine Angebetete erscheint als Rulfos Projektionsfläche für Leid und Hoffnung, berichtet Stolzmann. Neben Liebeskitsch und alltäglich Belanglosem bieten die Briefe laut Stolzmann auch Einblicke in Abgründe und ein düsteres Bild von der Metropole Mexiko. "Bedeutsam" findet Stolzmann vor allem die verstreute Bemerkungen zu Manuskripten der Sammlung "Der Llano in Flammen".