Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Dieser frühe Roman, in dem man die Figuren aus Bolaños gefeiertem Werk 'Die wilden Detektive' wiedererkennen mag, spielt in Mexiko-Stadt in den Siebzigern: Die jungen Chilenen Remo Morán und Jan Schrella wohnen in einer schäbigen Mansarde und träumen vom Schreiben. Den bürgerlichen Werten entsagen sie, ihre Zeit ist der magische Moment zwischen Nacht und Tag. Während Remo sich rauschhaft treiben lässt, schreibt Jan unentwegt Briefe an seine Lieblings-Science-Fiction-Autoren, darunter Ursula K. Le Guin, Robert Silverberg und James Tiptree jr., mit der Bitte um Hilfe für sein von FBI und CIA unterdrücktes Lateinamerika...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2018

Eventuell empfinden Freunde linearer Geschichten mit klassischem Spannungsaufbau den "Geist der Science Fiction" als Herausforderung, vermutet der Rezensent und erklärter Bolaño-Fan René Hamann, der trotzdem zuraten möchte: Bolaño-Liebhaber können darin einige alte Bekannte aus dessen Werk entdecken und auch etliche Motive wiederfinden, meint Hamann. Hier teilen die beiden Jungautoren Remo und Jan im Mexiko-Stadt der frühen Siebziger einen Dachstuhl; ihr Leben dreht sich um Literatur, ihre Lieblingsautoren und natürlich Sex, erzählt der Rezensent. Hamann verspricht, dass in dem Frühwerk bereits die typische Schreibweise des berühmten Chilenen aufscheint - lustig, surreal und verzweigt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Rezensent Nicolas Freund versteht, warum Roberto Bolaño als Ausnahmeschriftsteller gefeiert wird, und auch die neueste Entdeckung aus seinem Nachlass, "Der Geist der Science Fiction", scheint ihm das zu beweisen. 1984 entstanden, hält dieser aus Fragmenten zusammengesetzte Roman für Bolaño-Liebhaber etliche Bezüge zu seinen bekanntesten Werken und auch einige unerforschte Überraschungen bereit, wie beispielsweise Bolaños Bewunderung für den kaum bekannten Science Fiction Autor Philipp K. Dick, so der Rezensent. Der 20-jährige Protagonist des Romans, Jan Schrella,verehrt diesen regelrecht, sein ganzes Leben dreht sich um Literatur, erzählt Freund. So wie er im Mexiko-Stadt der 70er Jahre als zielloser Schöngeist lebt, geben seine Erkenntnisse Aufschluss auch über Bolaños eigenes Literaturverständnis, meint der Rezensent, dem Bolanos Literatur manchmal wirklicher vorkommt als die Realität.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2018

Rezensent Kai Sina liest Roberto Bolanos frühen Roman mit dem Bleistift in der Hand. Weniger enthusiasmiert als intellektuell gefordert fühlt er sich von diesem wohl komponierten experimentellen Text, der ihn in die rauschhafte Welt zweier Dichter in Mexiko-City entführt, Surreal, düster, kryptisch findet Sina das in drei Strängen Erzählte. Wie der Autor die Gegenwart der Künstler romantisiert, indem er ihre Wirklichkeit motivisch und durch Zitate und Anspielungen transzendiert, erinnert Sina an Eichendorff. Für ihn ein literaturgeschichtlicher Spaß.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2018

Andreas Breitenstein entdeckt in Roberto Bolaños fast dreißig Jahre altem, frühen Romanfragment, das nun auf Deutsch vorliegt, bereits die Qualitäten des Autors, Drive, Einfallsreichtum, Sprachwitz und intellektuelle Verve. Leider strengt Bolanos Lust, Genres zu mischen und Erwartungen zu enttäuschen, den Rezensenten hier doch allzu sehr an, zu zersplittert ist der Text. Ein überzeugendes "kaleidoskopisches" Panorama Mexiko-Citys, wo der satirische Künstler- und Entwicklungsroman spielt, gelingt dem Autor erst in "Die wilden Detektive", findet Breitenstein.