Ulrich Weinzierl

Stefan Zweigs brennendes Geheimnis

Cover: Stefan Zweigs brennendes Geheimnis
Zsolnay Verlag, Wien 2015
ISBN 9783552057425
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Wer war, wer ist Stefan Zweig? Ulrich Weinzierl zeigt den melancholischen Zeitzeugen der "Welt von Gestern" ganz privat: Wie schaffte es Friderike Maria von Winternitz, aus dem passionierten Junggesellen einen Ehemann zu machen? War der Verfasser der Novelle "Verwirrung der Gefühle" in Wahrheit ein verklemmter Homosexueller, und was war das "brennende" Geheimnis seines Lebens? Lauter heikle Fragen und der Versuch einer Antwort. Eine intime Biografie des Schriftstellers und "Psychologen aus Leidenschaft", eine Geschichte seiner Freundschaften - von Sigmund Freud bis Klaus Mann - und eine Geschichte des Verrats.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2015

Lothar Müller folgt Ulrich Weinzierl zunächst mit Spannung, wenn dieser das Gerücht umkreist und schließlich bestätigt, Stefan Zweig sei Exhibitionist gewesen. Zur Spannung trägt laut Müller bei, dass der Autor mit seinen Quellen eher detektivisch erzählend denn philologisch verfährt und dass er den Exhibitionismus nicht isoliert, sondern als Teil der sexuellen Biografie Stefan Zweigs betrachtet. Wenn Weinzierl Zweigs Selbstmord "suggestiv" an den Endpunkt dieser Entwicklung stellt, möchte der Rezensent dem Autor allerdings nicht folgen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.10.2015

Brennend interessant findet Rezensent Hans Albrecht Koch nun nicht, was Ulrich Weinzierl in seiner Zweig-Biografie zutage fördert. Zweigs exibitionistische Neigung ist Koch hinlänglich bekannt, ebenso die von Weinzierl bemühten Quellen, namentlich der Wiener Kunsthändler Benno Geiger. Auch die Frage, ob Zweig eher masochistisch oder sadistisch veranlagt war, scheint Koch nicht sonderlich zu bewegen. Weinzierls Fokus auf das Sexualleben Zweigs kommt ihm, um es deutlich zu sagen, überflüssig vor, auch wenn der Autor sein Buch wie einen Detektivroman angelegt hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2015

Das Zweig ein notorischer Exhibitionist war, hätte man eigentlich wissen müssen, erkennt Rezensent Andreas Isenschmid nach der Lektüre dieses Buchs. Steht ja schon alles drin in den Tagebüchern - wenn sie denn mal jemand gelesen hätte. Und Autor Weinzierl ging noch weiter, suchte in Archiven nach weitere Belegen und wurde auch dort fündig. Das ist alles glänzend recherchiert und geschrieben, lobt Isenschmid. Allein: Wie hat sich diese Veranlagung auf Zweigs Werk ausgewirkt? Dazu hätte er gern noch hundert Seiten gelesen, denn Weinzierl sagt es ihm in dieser Version nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2015

Rezensent Friedmar Apel freut sich schon auf die Lüftung einiger Geheimnisse um Stefan Zweig, wenn Ulrich Weinzierl, Kenner der Wiener Moderne, in kriminalistischer Manier anhebt, Zeig biografisch zu abzuhandeln. Spannung bekommt er auch, aber leider keine nennenswerten Erkenntnisse. Wenn Weinzierl nämlich Zweigs Exibitionismus nach Poe-Art mit einer offenen Briefstelle zu belegen versucht, weist ihm Apel einen Doppelfehler nach, der Folgen hat. Für den Rezensenten relativiert das Weinzierls Rechercheleistung. Und auch am Takt, findet der Rezensent, lässt es der Autor Zweig gegenüber fehlen. Zweigs Andenken, so hofft er, wird das aber nicht schaden.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.09.2015

Ahnungen und Gerüchte über den exhibitionistischen Drang von Stefan Zweig kursieren seit Langem, an stichhaltigen Hinweisen hingegen fehlt jede Spur, weiß Jan Küveler und erfährt aus Ulrich Weinzierls Studie "Stefan Zweigs brennendes Geheimnis" auch, woran das liegt: an der Akribie, mit der der Schriftsteller etwa seine Tagebücher bereinigte, und der beschönigenden Sorgfalt, mit der seine erste Frau Friderike seinen Nachlass verwaltete. Dabei hatte sie, um ihm nahezukommen, eigens einen Roman "an der Grenze zu pseudo-poetischer Kindesmissbrauchspornografie" verfasst, wie Küveler zitiert. Weinzierl ergründet Zweigs Geheimnis in Form eines "als Sittengemälde getarnten Krimis" mit der "Dramaturgie eines Thrillers", schwärmt Küveler mitgerissen.