Tiphaine Samoyault

Roland Barthes

Die Biografie
Cover: Roland Barthes
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518425060
Gebunden, 871 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Maria Hoffmann-Dartevelle und Lis Künzli. Roland Barthes hat die Welt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Lesen gelehrt. Er hat vorgeführt, wie die alltäglichen Dinge, die Mythen des Alltags, zu verstehen sind; er hat das Alphabet der Sprache der Liebe vorbuchstabiert; er hat die Lust am Text propagiert; er hat die Stellung des Autors untergraben - und in seinem letzten Seminar, der "Vorbereitung des Romans", gestanden, er hätte sich gewünscht, Romancier zu werden. Die Schriftstellerin und Literaturhistorikerin Tiphaine Samoyault entwirft unter Rückgriff auf bisher unzugängliche persönliche Dokumente von Roland Barthes die erste umfassende, alle Aspekte von Werk und Leben ausleuchtende, Biografie. Als Wissenschaftlerin und Literatin liest sie die Person Roland Barthes und dessen Schreiben - und damit die Bedeutung dieses Autors für unsere Zeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2015

Rezensent Helmut Mayer lobt die Gründlichkeit, mit der die Biografin Tiphaine Samoyault sich auf bisher umfangreichste Art und Weise, wie der Rezensent weiß, mit der Vita Roland Barthes' befasst. Detail- und materialreich, mittels neu erschlossener Quellen, lässt Mayer wissen, setzt die Autorin auf das Aufzeigen einer Entwicklung in Werk und Leben Barthes. Ein erschöpfender Ansatz, meint Mayer, aber auch einer, der das Schicksalhafte herausstreicht, den Tod des Vaters, die Mutterbindung, die Krankheit. Da die Autorin das umfangreiche Referat der Anekdote vorzieht, ertappt sich der Rezensent öfters bei der Lektüremethode des kapitelweisen Nachschlagens.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.11.2015

Rezensent Fritz Göttler liest die über 800 Seiten umfassende Biografie über den Strukturalisten Roland Barthes von Tiphaine Samoyault mit Gewinn. Dass die Autorin Barthes' Leben "in Schüben" erzählt und unter Verwendung von Barthes' Briefen, Karteikarten und Kalendern, scheint ihm neue Perspektiven zu eröffnen. Zumal Unerbittlichkeit und Diskretion in der Betrachtung sich "toll" vermischen, wie er schreibt. Wie Samoyault die Lebensstationen mit der Entwicklung von Barthes' Diskurs verbindet, hat Göttler beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.11.2015

Als Kritik kann man Barbara Vinkens schönen kleinen Essay zu Tiphaine Samoyault und den von ihr angeschnittenen Themen kaum definieren, aber man kann annehmen, dass sie zu ihrem gedanklichen Höhenflug ohne die Vorgaben dieses Buchs kaum abgehoben hätte. Bei Samoyault selbst scheint es einen essayistischen Ansatz zu geben, denn Vinken erwähnt, dass der Tod der Mutter der Autorin Auslöser für diese Biografie war - und der Tod der Mutter war bekanntlich ein umstürzendes Ereignis in Barthes' Leben. Inwieweit Vinkens Reflexionen über Barthes Verhältnis' zu seiner Mutter und über die Knabenliebe von der Biografie getragen sind, lässt sich aus der Lektüre ihres Textes nicht sagen. Immerhin merkt sie an, dass Samoyault durch viel bisher unbekanntes Material - vor allem die Lektüre seines tagebuchartigen Terminkalenders - neue Erkenntnisse über Barthes' Leben aufschließt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.11.2015

Tilman Allert liest die Biografie über Roland Barthes von Tiphaine Samoyault mit Lust. Was die Komparatistin vorlegt, ist für Allert mehr als eine Lebensgeschichte, ist Studie einer intellektuellen Schwellenzeit zwischen Algerienkrieg und de-Gaulle-Republik, in der sich die akademische Intelligenz formt, aus der auch Barthes kommt. Vorzüglich geschrieben und spannend aufgebaut, besticht der Band für Allert durch bewundernde Distanziertheit und den Duktus der Nacherzählung. Barthes erscheint dem Rezensenten hier als Monteur der Begriffe und Theorien. Wie seine Sozialisation im frauenreichen calvinistischen Milieu damit zusammenhängt, erklärt ihm die Autorin.

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