Thomas Manns großer Essay ist bis heute eine der unterhaltsamsten und klügsten Auseinandersetzungen mit Friedrich Schiller. Bei aller Verehrung gelingt es Thomas Mann, den "Freiheitsideologen" Schiller mit seiner "Lust am höheren Indianerspiel" immer wieder frech vom Sockel zu heben und nebenbei so manches bildungsbürgerliche Klischee zu korrigieren. Die beigefügte CD enthält - erstmals in voller Länge - die die Stuttgarter Schiller-Rede von Thomas Mann aus dem Jahr 1955.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2005
Thomas Mann hat sich gequält mit seinem Essay zu Schiller. Gehalten hat er ihn zu Schillers 150. Todestag, als gefeierter, aber in der BRD auch nicht ganz unumstrittener Autor. Gerade seine Entscheidung, den Vortrag nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Weimar zu halten, rief die dem Exilanten nicht wohl gesonnenen Chauvinisten und Alt-Nazis auf den Plan. Zufrieden war Mann denn auch nicht mit seinem Vortrag, den er selbst als "unneu, hausbacken, armselig" titulierte und erst nach massiven Kürzungen durch Erika Mann halten konnte. Es ist der Forschung, so der Rezensent Manfred Koch, nicht verborgen geblieben, dass Mann sich eifrig bei der Forschung bediente. Lesenswert sei der Text dennoch, allein wegen Formulierungen wie der von der "ergreifenden Kindsköpfigkeit" des Dichters.
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