Thilo Marauhn (Hg.)

Internationaler Kinderschutz

Politische Rhetorik oder effektives Recht?
Cover: Internationaler Kinderschutz
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2005
ISBN 9783161485565
Broschiert, 195 Seiten, 44,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Thilo Marauhn. Kinderrechte scheinen en vogue zu sein - jedenfalls in der politischen Rhetorik. Die tatsächlichen Lebensverhältnisse von Kindern - national wie international - sind demgegenüber zum Teil erschütternd. Trotz internationaler Regelungen wie dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes von 1990 und trotz partieller nationaler Gewährleistung von Kinderrechten werden Kinder weiterhin als Soldaten in Kriegen eingesetzt und als billige Arbeitskräfte oder Sexualobjekte ausgebeutet.
Die im vorliegenden Band dokumentierten Beiträge widmen sich der Frage, wie das geltende nationale und internationale Recht zum Schutz der Kinderrechte möglichst effektiv angewandt und gegebenenfalls verbessert werden kann. Die Bandbreite der Themen reicht von Fragen des humanitären Völkerrechts in bewaffneten Konflikten über Fragen des internationalen Kindschaftsrechts bis hin zu strafrechtlichen Aspekten der sexuellen Ausbeutung von Kindern. Darüber hinaus wird die Gewährleistung von Kinderrechten in der Europäischen Menschenrechtskonvention und in der neuen südafrikanischen Verfassung analysiert. Vier der sieben Beiträge sind in englischer Sprache verfasst. Autoren: Rachel Harvey, Yoshie Noguchi, Martina Caroni, Nigel Lowe, Hans-Jörg Albrecht, Peter Wilkitzki, J.A. Robinson.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2005

Gerd Roellecke gesteht seine Ratlosigkeit, die selbst nach Lektüre dieses Sammelbandes, der aus einer Ringvorlesung mit international renommierten Experten hervorgegangen ist, nicht weichen wolle. Dabei seien alle Vorträge für sich genommen sehr ehrenwert, gesteht Roellecke. Sie beschränkten sich auf die Entfaltung des positiven Rechts zum Schutz von Kindern, wie es im Abkommen der Vereinten Nationen von 1989 formuliert sei. In den Beiträgen gehe es um die Spannbreite zwischen Kinderhandel und internationaler Adoption, erklärt der Rezensent, um das Verbot von Kinderarbeit oder den Einsatz vom Kindersoldaten; mal verzichteten die Verfasser auf konkrete Lösungsvorschläge, mal verliehen sie ihrer Überzeugung Ausdruck, mit einem Verbot die Ausnutzung von Kindern besser verhindern zu können. Schon die Durchsetzung des positiven Schutzes erweist sich als äußerst schwierig, dessen ist sich Roellecke nach Kenntnis der verschiedenen Expertenbeiträge sicher. Und was ist mit dem Kinderschutz, der nicht positiv geregelt ist, fragt er verunsichert. Beeindruckt erzählt er von einem Beispiel, das ein südafrikanischer Rechtsprofessor berichtet hat: in Südafrika hat ein Junge seinen Vater wegen mangelnder Liebe und Anerkennung verklagt. Das Gericht befand kühl, referiert Roellecke, "die Bande der Liebe seien keine Bande des Rechts".
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