Tanja Busse, Tobias Dürr

Das neue Deutschland

Die Zukunft als Chance.
Cover: Das neue Deutschland
Aufbau Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783351025533
Kartoniert, 328 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Tanja Busse und Tobias Dürr. Deutschland ist im Umbruch. Im Osten geht die Nachwendezeit zu Ende, der Westen steckt in seiner tiefsten Krise. Der Reformprozeß wird nur dann gelingen, wenn Politik, Wirtschaft und alle gesellschaftlichen Gruppen ihn als gemeinsame Herausforderung begreifen. Wolfgang Engler, Matthias Platzeck, Uwe Rada, Landolf Scherzer, Julia Schoch, Alexander Thumfahrt, Franz Walter u. a. Autoren dieses Bandes zeigen, wie das ganze Land dabei von den Erfahrungen in Ostdeutschland profitieren kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2004

Einen "vielseitigen, anregenden Zwischenruf in die sonst monotone Klage über die deutsche Krise" bietet nach Einschätzung von Markus Ackeret der Band "Das neue Deutschland. Die Zukunft als Chance", der eine Reihe von Beiträgen von Politikern, Politikwissenschaftern, Soziologen und Publizisten zum Thema versammelt. Der Band wolle mit Analysen und Reportagen die Chancen ausloten, die sich aus den Erfahrungen des Ostens für das "neue Deutschland", die Bundesrepublik als Ganzes, ergeben. Thomas Kralinski erkläre, Ostdeutschlands Herausforderungen gingen jenen des Westens voraus, auch Albrecht von Lucke betone, das Ende des Ostens sei auch das Ende des Westens. Während Tobias Dürrs Reportage aus Zschornewitz in Sachsen-Anhalt zeige, dass die Übertragung des westdeutschen Modells auf den Osten schon deshalb eine Illusion sei, weil das Industriezeitalter hier wie dort zu Ende sei, verdeutliche Detlef Pollacks Essay die nach wie vor große Kluft zwischen Osten und Westen. Insgesamt versteht Ackeret den Band mehr als "Bestandesaufnahme" denn als "Rezeptbuch" - zumal manche Lösungsansätze einer näheren Prüfung kaum standhielten und ideologische Scheuklappen mitunter den Blick verengten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.02.2004

Marcus Jauer entdeckt in diesem Sammelband durchaus interessante Themen und Thesen über Ostdeutschland, auch wenn die Qualität der einzelnen Beiträge schwankt. Nach Meinung des Rezensenten ist der rote Faden der Aufsätze, dass die Herausgeber Tanja Busse und Tobias Dürr - beide Journalisten - davon ausgehen, "dass die Probleme der Ostdeutschen in Zukunft auch die der Westdeutschen werden könnten". Diese Probleme haben naturgemäß hauptsächlich mit dem ökonomischen Strukturwandel zu tun, und auch hierzu liefert der Band einige solide Hintergrundfakten, zum Beispiel, "dass es 110 Werke wie jenes von BMW in Leipzig bräuchte, damit der Osten auf die gleiche Dichte an Industriearbeitsplätzen kommt wie der Westen". Leider gibt es in dem Buch einige Beiträge, die die Hauptthese des Buches von der zukünftigen Symmetrie von Ost und West zwar aufstellen, aber nicht mit Inhalten füllen - das sind nach Jauers Meinung die schwächeren Beiträge. Richtig lobenswert erscheint ihm dagegen der Beitrag des ostdeutschen Soziologen Wolfgang Engler, der ernsthaft untersucht, in welcher Form der Westen vom Osten lernen könne - auch wenn seine Ergebnisse nach Jauers Meinung noch Zukunftsmusik sind.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003

Das neue Deutschland ist der deutsche Osten, um den es hier geht, und zwar in 19 Texten zwischen Reportage und Essay. Das ungewöhnliche dieser Zusammenstellung, meint Susanne Gaschke, sei die Auswahl der Autoren, die überwiegend jung sind und einen unverbrauchten Blick auf Ostdeutschland werfen. Was sie dabei sehen und entdecken, spricht dem Untertitel - "Die Zukunft als Chance" - allerdings Hohn. Konstatiert wird die "Verödung ganzer Städte", die "Massenarbeitslosigkeit" mit ihren Folgen, die katastrophale "Enthistorisierung", exemplarisch dargestellt von Franz Walter und Michael Schlieben an der Gemeinde Freital in Sachsen. Gelegentliche Ansätze zum Positiven können nicht darüber hinwegtäuschen, so Gaschke, dass man hier Eindrücke von einer "real existierenden Dystopie" bekomme. Gerade diese "Ehrlichkeit" findet sie freilich begrüßenswert.
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