Landolf Scherzer war 1999 der letzte, der sich im Jahr des Wahlkampfs als Berichterstatter am Thüringer Landtag akkreditieren ließ. Durch genaue Beobachtung dieser prägnanten Phase parlamentarischer Arbeit wollte er erfahren und verstehen, wie Demokratie in der Praxis funktioniert. Das schien zunächst einfach. Der Thüringer Landtag sei ein gläserner Landtag, erklärte man Landolf Scherzer in der Pressestelle, re würde alle benötigten Materialien erhalten, dürfe über die öffentlichen Sitzungen berichten, Interviews führen. Je länger sich Scherzer jedoch umsah, desto deutlicher wurde, dass der "gläserne Landtag" Milchglasscheiben besitzt , durch die sich höchstens Konturen von Vorgängen ahnen lassen, und dass die Abgeordneten währende des Wahlkampfs mehr als üblich auf die Parteidisziplin eingeschworen sind. Erst nach der Wahl beginnen einige der ehemaligen Machtträger zur reden, und nun scheinen Konflikte und Auseinandersetzungen auf, gewinnen die Personen hinter den Funktionen Profil.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.12.2000
Zwölf Monate "geduldigen Beobachtens" der politischen Szene des Thüringer Landtages, so Rezensent "hau", schlagen sich in diesem Buch des ostdeutschen Journalisten Landolf Scherzer nieder. Der Rezensent bemerkt eine deutliche Enttäuschung des Autors angesichts der herbeigesehnten Demokratie: In der Realität hat sie eben nichts Utopisches, sondern zeigt die "Mittelmäßigkeit als Norm". Der Rezensent hat jedoch Verständnis für diese Enttäuschung. Da sich ihre Illusionen in Bezug auf die DDR als brüchig erweisen haben, legten die Ostdeutschen die Messlatte an das Funktionieren des politischen Systems in der Bundesrepublik besonders hoch. Auch wenn der Rezensent die moralischen Ansprüche des Autors gelegentlich übertrieben findet, so enthält das Buch seiner Ansicht nach doch viele "wertvolle Beobachtungen". Vor allem aber mache es die "diffusen Ressentiments" in Ostdeutschland deutlicher.
Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Szczepan Twardoch: Sehnsucht Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Erwin Piontek, Bergmann im Ruhestand, geht seinen Lebenstraum - eine Weltumseglung - bescheiden an: im Boot auf einem Stausee. Doch während…