"Wasserprediger und Weintrinker" hieß das erste Buch von Dorothee Beck und Hartmut Meine darüber, "wie Reichtum vertuscht und Armut verdrängt wird". Zehn Jahre und eine rot-grüne Koalition später sind ihre pessimistischen Prognosen noch übertroffen, die Hoffnung vieler Menschen auf eine sozial gerechtere Politik bitter enttäuscht worden. Reichtum wird zwar immer noch vertuscht, Armut aber längst nicht mehr verdrängt, sondern legitimiert. Die Reichen sind reicher und zahlreicher. Die Armen sind ärmer und zahlreicher. Dazwischen lebt eine Mittelschicht, von der nur eine Minderheit auf einen dauerhaft gesicherten Lebensstandard oder sogar auf Aufstieg hoffen darf, während die Mehrheit sich von der näherrückenden Armut bedroht fühlt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.12.2007
Rezensent Adam Olschewski begrüßt Dorothee Becks und Hartmut Meines Buch über die Polarisierung der deutschen Gesellschaft. Die Autoren führen für ihn eindringlich die zunehmende Armut vor Augen, berichteten aber auch von der wachsenden Anzahl von Milliardären. Zwar hat er manche Zahl, manchen Zusammenhang schon einmal anderswo gehört. Dennoch attestiert er dem Buch eine seltene "Durchschlagskraft". Das liegt für ihn an der Dichte der Darstellung, der Ballung von Fakten und Details sowie an der analytischen und argumentativen Schärfe der Autoren. Er bescheinigt ihnen zudem, Transparenz herzustellen. So findet er in dem Buch u.a. eine Vermögensliste von Milliardären und Millionären, die Gehälter von Managern, die Nebeneinkünfte von Politikern, eine Menge über die Praktiken sowohl der Banken als auch der Fonds, über das Gesundheitssystem und die wirtschaftlichen wie politischen Pleiten und Skandale der vergangenen Jahre. Sein Fazit: ein "zur Wut aufrufendes Werk".
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