Ta-Nehisi Coates

We were eight years in power

Eine amerikanische Tragödie
Cover: We were eight years in power
Hanser Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783446259102
Gebunden, 416 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Mit Barack Obama sollte die amerikanische Gesellschaft ihren jahrhundertealten Rassismus überwinden. Am Ende seiner Amtszeit zerschlugen sich die Reste dieser Hoffnung mit der Machtübernahme Donald Trumps, den Ta-Nehisi Coates als "Amerikas ersten weißen Präsidenten" bezeichnet: ein Mann, dessen politische Existenz in der Abgrenzung zu Obama besteht. Coates zeichnet ein Porträt der Obama-Ära und ihres Vermächtnisses - ein essenzielles Werk zum Verständnis der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der USA, von einem Autor, dessen eigene Geschichte jener acht Jahre von einem Arbeitsamt in Harlem bis ins Oval Office führte, wo er den Präsidenten interviewte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.04.2018

Eva Berger kennt keine wortmächtigere Stimme als die von Ta-Nehisi Coates, wenn es darum geht, den rassistischen Terror der Weißen Vorherrschaft in den USA aus Sicht der Opfer anzuprangern. Der Reporter von The Atlantic gehört für sie zu den autoritativsten Black Public Intellectuals in Amerika. Wie eindrücklich der Autor in diesem Buch die rassistischen Realitäten beschreibt, findet sie bemerkenswert. Coates' Erklärungen für die Gründe des Rassismus scheinen ihr allerdings eher unterkomplex. Ebenso hält sie die Rachethese des Autors als Erklärung für den Wahlsieg Trumps nach Obama für zu kurz gegriffen. Sie sieht Trump als Teil eines Klassenkampfes von oben, der unabhängig von der Hautfarbe tobt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2018

Marie-Sophie Adeoso liest die Essays von Ta-Nehisi Coates mit Gewinn. Um die Präsidentschaft Obamas kreisend, schreibt sie, biete der Autor einen differenzierten Blick auf die US-amerikanische Gegenwart und Geschichte. Coates' Positionierung als schwarzer Autor scheint der Rezensentin dabei zweifellos. Die ursprünglich in "The Atlantic" erschienenen Texte beschäftigen sich laut Adeoso außerdem mit autobiografischen Anekdoten, Vorbildern wie James Baldwin, Public Enemy und Jay-Z und der Frage, wie weiße Demokratie Hand in Hand gehen konnte mit der Unterdrückung der Schwarzen. Die der Rezensentin auffallende Redundanz in den Texten stellt für Adeoso nicht Coates' Talent in den Schatten, politische Analyse, historische Rückschau und Reportage für den Leser gewinnbringend miteinander zu verbinden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2018

Tobias Rüther findet Ta-Nehisi Coates einfach klasse. Wenn der Star-Intellektuelle des Atlantic-Magazines die acht Jahre von Präsident Barack Obama in seinen Essays dokumentiert, dann liest der Rezensent darin gleich drei Geschichten: Den persönlichen Bildungsroman eines jungen Journalisten, die Ära des ersten schwarzen amerikanischen Präsidenten und die Entwicklung der USA in dieser Zeit. Der Titel gibt dabei in seiner Kombination aus Stolz und Resignation den Ton vor, auch wenn Rüther schreibt, dass Coates' Stil eher suchend, fragend sei. In der Sache wird er offenkundig schärfer. Aber auch da geht Rüther d'accord. Coates' Grundthese ist, dass es allein der Rassismus gewesen ist, der nach Obama eben Donald Trump ins Weiße Haus gebracht habe (und nicht die Verarmung der weißen Mittelschichten). Auch dass die USA noch immer nicht "die Bedeutung von Rasse" erkannt hätten, lernt Rüther aus diesem Band. Wo man doch eher denken könnte, dass sie besessen davon sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2018

Rezensentin Marie Schmidt erfährt aus Ta-Nehisi Coates' von B. Somann-Jung übersetzen Essays über Rasse und Klasse in den Obama-Jahren. Schmidt stellt fest, dass der Autor für seine Analyse einen erweiterten Begriff der "white supremacy" verwendet, der das Überlegenheitsgefühl der Weißen in einer von ihnen dominierten Gesellschaft umfasst, und erhält Beispiele für die materielle Realität struktureller Benachteiligung, etwa auf dem Immobilienmarkt. Die Bewunderung des Autors für die Karrieren der Obamas könnten einem fast neoliberal erscheinen, meint sie. Differenziert wiederum findet sie, wie Coates die besondere Herkunft Obamas (der mit einer weißen Mutter in Hawaii und Indonesien aufwuchs) dafür veranschlagt.