Die Auftragstaktik wird in der Literatur als wesentlicher Grund für die deutschen taktisch-operativen Erfolge in den Kriegen von 1866 bis 1945 bezeichnet. Die vorliegende Studie untersucht dieses Führungsprinzip für das deutsche Heer von 1935 bis 1945 erstmals aus ganzheitlicher Sicht, indem sie Theorie und Praxis, d.h. normative Handlungsvorgaben und die konkrete Umsetzung im Feld vergleicht. Insgesamt relativieren die Ergebnisse das bisher gezeichnete Bild der Auftragstaktik. Nicht nur kommt der straffen Führung eine weit wichtigere Rolle als bisher angenommen zu, auch hing der Grad der Selbstständigkeit und Initiative unterer Führer stark vom Führungsverständnis des vorgesetzten Truppenführers ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2015
Absurd, was die FAZ für Bücher bespricht. Johannes Hürter vermisst den Blick über den Tellerrand in dieser Studie des Militärhistorikers Marco Sigg, und dass die Auftragstaktik in der Militärgeschichte bislang eher einseitig und verzerrt dargestellt wurde, wie der Autor behauptet, kann er auch nicht finden. Davon abgesehen bietet ihm Sigg eine wichtige und anregende Studie in Sachen Auftragstaktik und Organisation militärischer Abläufe, theoretisch, begriffsanalytisch wie praxisorientiert (mit Beispielen aus den Jahren 1864-1943), versichert er. Dass der Autor im dritten Teil seines Buches allzu taktisch verhaftet bleibt und zu wenige Fallbeispiele liefert, wie Hürter nahelegt, scheint da eher ein Wermutstropfen zu sein.
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