Daniel Niemetz

Das feldgraue Erbe

Die Wehrmachtseinflüsse im Militär der SBZ/DDR
Cover: Das feldgraue Erbe
Ch. Links Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783861534211
Gebunden, 345 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Potsdam. Das preußisch-deutsche Erscheinungsbild der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR sowie die Tatsache, dass ehemalige Offiziere und Generale der Deutschen Wehrmacht maßgeblich am Aufbau der Arbeiter- und Bauern-Armee beteiligt waren, prägen die Diskussionen um den "wahren Charakter" ostdeutscher Streitkräfte bis heute. Erstmals liegt nun eine Arbeit vor, die die Wehrmachtseinflüsse im Militär der SBZ/DDR seit 1948/49 in umfassender Weise untersucht. Wer waren die Männer, die ihre wehrmachtspezifischen Erfahrungen in den Dienst einer DDR-Aufrüstung stellten? Welche Wehrmachtseinflüsse kamen in der NVA und ihren Vorläufern zum Tragen? Wie gingen die SED und die sowjetische Führungsmacht mit dem ungeliebten wie zugleich unverzichtbaren "Erbe" um? Auf der Grundlage weitgehend neu erschlossener Archivalien, darunter hunderter Akten des Ministeriums für Staatssicherheit sowie zahlreicher Interviews mit Zeitzeugen, liefert der Autor eine detaillierte Analyse des ostdeutschen Streitkräfteaufbaus im Zwiespalt von militärischer Notwendigkeit und klassenideologischem Anspruch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2007

Daniel Niemetz schliest mit seiner Studie nicht nur eine Forschungslücke, ihm ist es auch gelungen, elf Interviews mit ehemaligen NVA Offizieren führen, die noch in der Wehrmacht gedient hatten, berichtet Rezensent Karl Wilhelm Fricke. Er lobt das Buch als faktenreiche Darstellung, die eine "schlüssige" Antwort auf die Kernfrage gebe, wie viel Wehrmacht unter den grauen Röcken der NVA gesteckt habe. Und "differenzierend" sei das Buch insofern, als die Genese der NVA Schritt für Schritt nachgezeichnet werde. Begonnen habe es mit der planmäßigen Anwerbung von Wehrmachtsoffizieren durch die Sowjets schon während des Krieges. Ob die Motive der kriegsgefangenen deutschen Offiziere allerdings "zweifelsohne" national geprägt waren, hält der Rezensent für fraglich. Fakt sei jedenfalls, dass die Ausbildung der NVA anfangs fest in Wehrmachtshänden gelegen habe. In einer zweiten Phase von 1952 bis 1956 sei dann auch für Mannschaftsdienstgrade der Wehrmacht ein Aufstieg in der NVA möglich gewesen. Erst 1957, referiert der Rezensent, habe das Politbüro beschlossen, alle so genannten Hitler-Offiziere aus der NVA auszuschließen.