Der Großhandelskaufmann Joachim von Ribbentrop ging 1932 als Quereinsteiger an einflußreicher Stelle in die Politik. In seiner Villa in Berlin wurden die entscheidenden Gespräche geführt, die zur Ernennung des Reichskanzlers Hitler führten. Als Sonderbeauftragter, Botschafter und schließlich Außenminister prägte er dann die deutsche Außenpolitik zwischen 1933 und 1945 mit. In seiner Biografie arbeitet Stefan Scheil die Motive Ribbentrops heraus, dessen überzeugtes und zugleich kritisches Verhältnis zum Nationalsozialismus sowie seine außenpolitischen Ziele. Scheil zeigt auf, daß die Loyalität Ribbentrops aus der Euphorie des "nationalen Aufbruchs" kam, als die er Hitlers Diktatur deutete. Wie das Auswärtige Amt bereits zur Weimarer Zeit, trug Ribbentrop das Endziel eines großdeutschen Nationalstaats mit, das Hitler ihm 1937 skizzierte. Dieses Ziel wollte Ribbentrop als Minister seit 1938 durchsetzen und zugleich andere Staaten von einer bewaffneten Intervention dagegen abschrecken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2013
In Uwe Walthers Augen gelingt es dem Autor, seines Zeichens Althistoriker, der mit diesem Band seine zweiteilige "Römische Geschichte" abschließt, sowohl eurozentristische Verengungen, als auch eine prozessfixierte Historie zu überwinden. Glänzend findet Walther, wie Michael Sommer mit modernen Instrumenten strukturanalytisch zu Werke geht und seinen Weg findet zwischen der bloßen Aneinanderreihung von Einzelszenen und der Versuchung, vorschnell Lücken in Erklärungsketten zu schließen. Die Befreiung der Akteure zur unbestimmten historischen Konstellation, wie sie Sommer zulässt, scheint dem Rezensenten angebracht. Ebenso die Sicht auf die Geschichte Roms als "Dauerbaustelle" der Erinnerung, nicht als Mythos. Wenn Sommer dabei neuere Forschung gekonnt verarbeitet und alten Überlieferungen gegenüber die differenzierte Analyse samt Berücksichtigung regionaler Differenzen und demografischer Daten vorzieht, sieht der Rezensent den Historiker auf dem richtigen Weg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2013
Seltsam, was für die Bücher die FAZ doch immer wieder ernst nimmt. Ulrich Schlie liest gespannt Stefan Scheils Ribbentrop-Biografie, die einmal versucht, Hitlers Außenminister einen eigenständigen politischen Kurs nachzuweisen, und dabei auch nicht vor revisionistischen Thesen zurückschreckt. So liegt dem Rezensenten denn auch Scheils Mixtur aus Quellentexten und steilen Annahmen von Anbeginn schwer im Magen. Die treffenden Erkenntnisse im Buch fallen laut Rezensent immer wieder hinter "unhaltbare" Auffassungen des Autors zurück, insbesonders hinter die, dass Hitler keinen Expansionskrieg vom Zaun gebrochen habe, sondern sich "durch die Politik einer englisch-polnisch-französischen Koalition in den Krieg gezwungen" fühlte.
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