Heike B. Görtemaker

Eva Braun

Leben mit Hitler
Cover: Eva Braun
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406585142
Gebunden, 366 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Er war der einsame, mit Deutschland verheiratete "Führer". So wollte es die NS-Propaganda. Tatsächlich hatte Adolf Hitler jedoch eine heimliche Geliebte: Eva Braun. Heike Görtemaker hat alle heute noch vorhandenen Puzzleteile ihrer Geschichte aufgespürt und zur ersten wissenschaftlich fundierten Biografie zusammengefügt. Dabei entsteht zugleich ein anderer Blick auf Hitler. Wer war die Frau an der Seite des "Führers", deren Existenz bis zur letzten Stunde des "Dritten Reiches" geheim gehalten wurde? Für gewöhnlich gilt sie als politisch naives, oberflächliches junges Mädchen, das in München und in der Scheinidylle des "Berghofs" nur eine unbedeutende Nebenrolle spielte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2010

Sabine Fröhlich ist von Heike B. Görtemakers Eva-Braun-Biografie wenig begeistert. Stört sie sich schon an ihrer Meinung nach verfehlten Formulierungen wie der, dass Eva Braun durch ihren gemeinsamen Selbstmord mit Hitler zur "Legende" geworden sei, findet sie insgesamt, dass die Autorin nicht genug aus dem vorliegenden Quellenmaterial herausarbeitet. So stimmt sie Görtemakers zwar in der Einschätzung zu, Eva Braun sei "überzeugte Komplizin" Hitlers gewesen, weshalb das lange überlieferte Bild der zwanzig Jahre Jüngeren als "Opfer" oder "Nebenfigur" zu revidieren sei. Unbefriedigend aber bleibt für die Rezensentin, dass die Autorin die Fotografien von Hitler, die Braun zu Propaganda- oder persönlichen Zwecken machte, lediglich zur Illustration verwendet, sie aber nicht als Teil der spärlichen authentischen Quellen auswertet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2010

Das Missfallen des Rezensenten angesichts dieses Buches ist schreiend. An der Dürftigkeit der Quellenlage in Sachen Eva Braun ermisst Rainer Blasius die Aufgeblähtheit des Projekts. Eine reiche Bebilderung (der Berghof!) und der von Blasius extra gewürdigte Ansatz der Autorin Heike B. Görtemakers, sich bei der Untersuchung von Brauns Beziehung zum Führer auf Hitlers "Verhalten gegenüber Dritten" zu verlassen, sorgen für Umfang. Ungeklärt bleibt leider die Frage, ob Hitler, der nach dem Stauffenberg-Attentat seine zerfetzte Hose Eva Braun schickte, im Begleitbrief mit "Liebes Tschapperl" ansprach. Auch wenn der Rezensent der Autorin bescheinigt, sich kein X für ein U vormachen zu lassen, möchte er das Buch doch lieber rasch vom Tisch räumen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.02.2010

Insgesamt zufrieden zeigt sich Rezensentin Angela Gutzeit mit diesem Buch über Eva Braun und Hitler, das die Historikerin Heike B. Görtemaker vorgelegt hat. Sie hebt hervor, dass die Person Eva Braun aufgrund der dürftigen Quellenlage eher "blass" bleibt. Nicht unproblematisch scheint ihr in diesem Zusammenhang, dass die Autorin mehrmals deren Tagebuchnotizen heranzieht, bei denen es sich möglicherweise um eine Fälschung handelt. Sie hält Görtemaker vor, mit Fragen immer wieder Erwartungen zu wecken, diese dann aber nicht erfüllen zu können. Klären, wer die Person Eva Braun eigentlich war, kann die Autorin nach Ansicht von Gutzeit nicht.Andererseits bescheinigt sie Görtemaker, plausibel darzustellen, wie Braun als Gefährtin Hitlers "unentbehrlich" wurde. Den eigentlichen Verdienst der Historikerin sieht sie in der anschaulichen Schilderung des "privaten Kosmos" Hitlers auf dem Obersalzberg mit Eva Braun als Mittelpunkt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.02.2010

"Unabgelenkte Sachlichkeit" bescheinigt Elisabeth von Thadden der Verfasserin dieser ersten "wissenschaftlichen Biografie" Eva Brauns. Konsequent lege die Historikerin Mythen und Halbwahrheiten trocken, in dem sie unter anderem immer wieder auf die schüttere Quellenlage verweise. Auch die distanzierte, nüchterne Erzähltechnik trägt viel zum positiven Gesamteindruck der Kritikerin von dieser Biografie bei. Und obwohl die Hitler-Geliebte aus ihrer Sicht so "kein Stoff für starke Thesen" werden kann, rechnet sie es der Autorin Heike B. Görtemaker hoch an, mit ihrem Buch die Legende von der harmlosen Mätresse zu decouvrieren und stattdessen das Bild einer Frau zu zeichnen, die Hitler unterstützte und bis zum Schluss die Treue wahrte. Und deren Genuss von Champagner, Lippenstift und Luxus weder zur nationalsozialistischen Weiblichkeitsideologie noch der erbärmlichen Wirklichkeit gepasst habe. Besonders die Schilderung der Treueverhältnisse in Hitlers und Brauns engstem Kreis lassen die Kritikerin beim Lesen dieses Buchs immer wieder schaudern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.02.2010

Das Vorhaben der Autorin, Eva Braun aus dem Schatten Hitlers "herauszuschreiben", gelingt nicht, findet Franziska Augstein. Dafür sei die Quellenlage einfach zu schlecht, erklärt sie. Den Fragesätzen jedoch, mit denen Heike B. Görtemaker den Mangel aufzuwiegen versucht, ist Augstein nicht bereit, widerspruchslos zu folgen: "Was man nicht weiß, kann man nicht schreiben." Bloß das Offensichtliche zu belegen, wie es Görtemaker macht, findet Augstein nicht überzeugend. Eva Braun in einem neuen, emanzipierten Licht erscheinen zu lassen, gelingt der Autorin Augstein zufolge nicht.
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